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Die Worte des Glaubens


Drei Worte nenn′ ich euch inhaltschwer,

Sie gehen von Munde zu Munde,

Doch stammen sie nicht von außen her;

Das Herz nur gibt davon Kunde.

Dem Menschen ist aller Wert geraubt,

Wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt.

 

Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei,

Und würd′ er in Ketten geboren.

Lasst euch nicht irren des Pöbels Geschrei,

Nicht den Missbrauch rasender Thoren!

Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht,

Vor dem freien Menschen erzittert nicht!

 

Und die Tugend, sie ist kein leerer Schall,

Der Mensch kann sie üben im Leben,

Und sollt′ er auch straucheln überall,

Er kann nach der göttlichen streben.

Und was kein Verstand der Verständigen sieht,

Das übet in Einfalt ein kindlich Gemüt.

 

Und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt,

Wie auch der menschliche wanke;

Hoch über der Zeit und dem Raume webt

Lebendig der höchste Gedanke,

Und ob alles im ewigen Wechsel kreist,

Es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist.

 

Die drei Worte bewahret euch, inhaltsschwer,

Sie pflanzet vom Munde zu Munde,

Und stammen sie gleich nicht von außen her,

Euer Innres gibt davon Kunde.

Dem Menschen ist nimmer sein Wert geraubt,

Solang er noch an die drei Worte glaubt.



(* 10.11.1759, † 09.05.1805)




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