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Guten Abend, Mutter Marie


Guten Abend, Mutter Marie!

In deinem kleinen Schrein,

Den todten Sohn auf weißem Knie,

Wie sitzest du mild und lieblich drein!

Ein Lichtchen haben sie angesteckt,

Von frommen Gelübden gezollt,

Und dich mit köstlichen Lappen bedeckt,

Mit Kronen von Flittergold.

 

Dich kümmert der Putz nicht und der Schein,

Dein wächsern′ Gesicht ist blaß,

Du siehst nur auf dein Jesulein,

Wangen und Augen ewig naß.

 

Hab′ niemals eine Mutter gekannt,

Niemals ein Kindlein geherzt,

Habe auch für kein Weib gebrannt

Und mit keiner Schwester gescherzt.

 

Nun mein′ ich, daß es nichts Rechtes wär′

Mit der Familien-Klerisei;

Komm′ ich aber des Weges her,

An der Jungfrau Bild vorbei,

 

Dann thut′s mir wol, dann thut′s mir weh

Weiß selber nicht, wo und wie?

Und ich flüstere, weil ich von dannen geh′:

Guten Abend, Mutter Marie!



(* 30.06.1814, † 15.05.1881)




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