Pilger irren wir auf Erden,

Suchend nach dem rechten Port,

So in Lust, wie in Beschwerden,

Ruft`s im Herzen fort und fort:

Herr, wir haben Heimweh!

 

Heimweh, ob auch süße Lieder

Es in Schlummer wiegen ein,

Gottes Leid erweckt es wieder

Nach der Heimat Morgenschein.

Herr, wir haben Heimweh!

 

Heimweh, nach der ganzen Wahrheit,

Unverhüllt, und unbegrenzt,

Heimweh nach der vollen Klarheit,

Die in Himmelsschöne glänzt.

Herr, wir haben Heimweh!

 

Heimweh innig, tief und dauernd,

Dem nichts schön und reich genug,

Heimweh selig und durchschauernd,

Warnend treu vor Lug und Trug.

Herr, wir haben Heimweh!

 

Herr, hat Heimweh dich gezogen

Zu den Sündern erdenwärts,

Ist in Heimweh auch geflogen

Himmelwärts das Menschenherz.

Herr, wir haben Heimweh!

 

Rings, Herr, will es Abend werden,

Dunkle Nacht in weiter Welt,

Aber ob der dunklen Erden

Strahlt in Pracht das Himmelszelt.

Herr, wir haben Heimweh!


Das Gedicht "Herr, wir haben Heimweh" stammt von (* 1839-06-13, † 1890-11-03).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte