Es zogen Reiter in Schwadronen,

Fußsöldner, Schützen mit Kanonen

Der Straßen hin voll Lustgeschrei

An einem Narrenschalk vorbei.

"Was habt ihr doch?" der Narre fragte,

""Frischfröhlich Kriegen!"" jeder sagte;

"Was thut man denn im Krieg, ihr Leute?"

""Man sticht, man schießt, gewinnet Beute,

Brennt Dörfer nieder; Korn und Wein

Mag freilich drob verdorben sein.""

"Und dies warum?" ""Ei für den Frieden,

Der endet jeden Krieg hienieden!""

Da lacht der Narr: "Hier nehmt, ihr Leute

So Kapp′ wie Kolben gleich als Beute!

Macht vorher Frieden, eh′ zum Schaden

Der lust′ge Krieg dem Land geraten!

Wenn Glut geflossen, Glutenschein

Den Himmel rötet, Korn und Wein

Verdorben, und ihr selbst gestorben —

Heißt das nicht Narrending erworben?"


Das Gedicht "Der weise Narr" stammt von   (1839 - 1890).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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