Willst du die Leiden dieser Erde,

Der Menschheit Jammer ganz versteh′n,

Mußt du mit scheuer Gramgeberde,

Ein Kind im Stillen weinen seh′n;

 

Ein Kind, das eben fortgewichen

Aus fröhlicher Gespielen Kreis

Und nun, vom ersten Schmerz beschlichen,

In Thränen ausbricht, stumm und heiß.

 

Du weißt nicht, was das kleine Wesen

So rauh und plötzlich angefaßt -

Doch ist′s in seinem Blick zu lesen,

Wie es schon fühlt des Daseins Last.

 

Wie es sich bang und immer bänger

Zurück schon in sein Inn′res zieht,

Weil es Bedränger auf Bedränger

Mit leisem Schaudern kommen sieht.

 

Willst du die Leiden dieser Erde,

Der Menschheit Jammer ganz versteh′n:

Mußt du mit scheuer Gramgeberde

Ein Kind im Stillen weinen seh′n.


Das Gedicht "Kindesthränen" stammt von (* 1833-09-30, † 1906-07-24).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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