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Wär′ ich im Bann von Mekkas Toren


Wär′ ich im Bann von Mekkas Toren,

Wär′ ich auf Yemens glühndem Sand,

Wär′ ich am Sinai geboren,

Dann führt′ ein Schwert wohl diese Hand;

 

Dann zög′ ich wohl mit flücht′gen Pferden

Durch Jethros flammendes Gebiet!

Dann hielt′ ich wohl mit meinen Herden

Rast bei dem Busche, der geglüht;

 

Dann abends wohl vor meinem Stamme,

In eines Zeltes luft′gem Haus,

Strömt′ ich der Dichtung innre Flamme

In lodernden Gesängen aus;

 

Dann wohl an meinen Lippen hinge

Ein ganzes Volk, ein ganzes Land;

Gleichwie mit Salomonis Ringe

Herrscht′ ich, ein Zauberer, im Sand.

 

Nomaden sind ja meine Hörer,

Zu deren Geist die Wildnis spricht;

Die vor dem Samum, dem Zerstörer,

Sich werfen auf das Angesicht;

 

Die allzeit auf den Rossen hängen,

Absitzend nur am Wüstenbronn;

Die mit verhängten Zügeln sprengen

Von Aden bis zum Libanon;

 

Die nachts, als nimmermüde Späher,

Bei ihrem Vieh ruhn auf der Trift,

Und, wie vorzeiten die Chaldäer,

Anschaun des Himmels goldne Schrift;

 

Die oft ein Murmeln noch vernehmen

Von Sina′s glutgeborstnen Höhn,

Die oft des Wüstengeistes Schemen

In Säulen Rauches wandeln sehn;

 

Die durch den Riß oft des Gesteines

Erschaun das Flammen seiner Stirn -

Ha, Männer, denen glühnd wie meines

In heißen Schädeln brennt das Hirn.

 

O Land der Zelte, der Geschosse!

O Volk der Wüste, kühn und schlicht!

Beduin, du selbst auf deinem Rosse

Bist ein phantastisches Gedicht! -

 

Ich irr auf mitternächt′ger Küste;

Der Norden, ach, ist kalt und klug.

Ich wollt′, ich säng′ im Sand der Wüste,

Gelehnt an eines Hengstes Bug.



(* 17.06.1810, † 18.05.1876)




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