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Barbarossas erstes Erwachen


Es lag die goldne Aue

Im blut′gen Frührothschein,

Als wär′ mit blut′gem Thaue

Besprengt der gelbe Rain.

Ernst blickte der Kyffhäuser

Durch Nebel auf die Flur,

Als der gebannte Kaiser

Auf aus dem Schlummer fuhr.

 

Er schauet zornesmuthig

Die Schaar der Diener an.

"Im tiefen Schlummer ruht′ ich;

Wer hat mir das gethan?

Wer, trotzend meinem Grimme,

Riß jach mich in die Höh′,

Und rief mit dumpfer Stimme:

Weh′, Hohenstaufe, Weh′!

 

Wer hat mit Schwertgeklimper

Gerasselt hier zur Stund?

Wer hielt mir vor die Wimper

Die Leinwand, farbenbunt?

Wer hat mir Truggestalten

Gezeigt im wirren Traum?

Blutrothe Tücher wallten

Auf eines Marktes Raum.

 

Hoch saß ein Mann zu Throne,

Deß Auge blickte List,

Und sah mit finsterm Hohne

Herab auf ein Gerüst;

Das ragte, schwarz behangen,

Aus Lanzen und Volkeshauf′;

Zwei Knaben, bleich von Wangen,

Die standen obenauf.

 

Und zu der Knaben Seite,

Auf des Gerüstes Höh′n,

Sah′ ich, ein graus Geleite,

Den Henker wartend stehn;

Er stand in rother Mütze,

Im scharlachrothen Rock;

Sein Schwert war seine Stütze;

Vor ihm der Todesblock.

 

Da schmetterten die Zinken

Mit gellen Tönen: Mord!

Seht ihr des Königs Winken,

Hört ihr sein herrschend Wort?

Schnell wirft der eine Ritter

Den Handschuh unters Volk;

Das murrt, wie, vom Gewitter

Erregt, ein Meereskolk.

 

Er legt das Haupt, das bleiche,

Fest auf den Eichenstumpf.

Das Schwert mit Einem Streiche

Trennt es vom schlanken Rumpf.

Weit spritzt des Blutes Quelle;

Der König sieht′s und winkt,

Und lächelt, als zur Stelle

Das Haupt des Zweiten sinkt.

 

Auf meine Wappenschilder,

Die geborstnen, rollt ihr Haupt,

Wer wies mir solche Bilder?

Wem hab ich das erlaubt?

Wer, trotzend meinem Grimme,

Riß jach mich in die Höh′,

Und rief mit dumpfer Stimme:

Weh′, Hohenstaufe, Weh′!"

 

Die Zwerge stehn und zagen,

Und neigen das Gesicht.

"Wer wollte solches wagen?

Wir, Herre, sicher nicht!"

Zur selben Zeit sah Neapel

Den jungen Konradin

Auf blutbespritztem Stapel

Mit Schwabens Friedrich knien.

 

Da fuhr der bärt′ge Kaiser

Zuerst empor vom Pfühl;

Sah träumend im Kyffhäuser

Des eignen Stammes Ziel.

Er schilt und starrt verwundert,

Und blinzt dann wieder stumm; -

Beinah′ war ein Jahrhundert

Vom langen Schlaf herum.



(* 17.06.1810, † 18.05.1876)




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