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Kornrauschen


Bist du wohl im Kornfeld schon gegangen,

wenn die vollen Ähren überhangen,

durch die schmale Gasse dann inmitten

schlanker Flüsterhalme hingeschritten?

Zwang dich nicht das heimelige Rauschen,

stehn zu bleiben und darein zu lauschen?

Hörtest du nicht aus den Ähren allen

wie aus weiten Fernen Stimmen hallen?

Klang es drinnen nicht wie Sichelklang?

Sang es drinnen nicht wie Schnittersang?

Hörtest nicht den Wind du aus den Höhn

lustig sausend da sie Flügel drehn?

Hörtest nicht die Wasser aus den kühlen

Tälern singen du von Rädermühlen?

Leis, ganz leis nur hallt das und verschwebt,

wie im Korn sich Traum mit Traum verwebt,

in ein Summen wie von Orgelklingen,

drein ihr Danklied die Gemeinden singen.

Rückt die Sonne dann der Erde zu,

wird im Korne immer tiefre Ruh′,

und der liebe Wind hat′s eingewiegt,

wenn die Mondnacht schimmernd drüber liegt.

Wie von warmem Brot ein lauer Duft

zieht mit würz′gen Wellen durch die Luft.



(* 20.12.1856, † 22.09.1923)




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