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Vorbeugende Abwehr


I.

 

Ich hör′ es schon! »Wie unbedeutend!« - tönt es -

»Wie nichtig diese Stoffe! Unverständlich

Oft die Beziehungen! Was gehen uns

All diese Hochzeiten und Taufen an?

Die Feuerwehr sogar besingt der Mann!

Und welche gränzenlose Eitelkeit,

All diese Verslein drucken gar zu lassen!

In′s Kleinlichste verläuft die Dichtung hier.«

 

Gemach, ihr Herrn! »Sub specie aeterni«

Betrachtet ist auch Kleines, Flüchtiges

Nicht werthlos: wie Gott nicht nur in den Sternen, -

Im kleinsten Blümchen lebt in Feld und Flur,

So kann die Kunst - und soll′s! - das Ideale

Auch in dem Kleinsten finden und verkünden.

Der Tropfen Thau, darauf die Sonne scheint,

Wird zum Demant und strahlt in höchster Schöne.

 

II.

 

Dem großen Meister Aristoteles

Ablernt′ ich längst die Weisheit: aus gegebnem

Das möglichst Schöne, Gute bilden, ist

Des Menschen Vorrecht, Pflicht zugleich und Freude:

Aus rohem Marmor schafft die Kunst die Göttin

Der Schönheit, und aus Marmorsplitterchen

Kann auch ein kleines Kunstwerk noch sie bilden.

Das ist der »objective Idealismus«, der

Alltägliches und rasch Vergängliches

Zu adeln sucht, zu weih′n und zu verew′gen

Durch edle Form: ist mir die Form mißlungen,

Verwerft die kleinen Dichtungen als werthlos

Wie Wassertropfen: - doch die Kunst der Form -,

Den Tropfen wandelt sie in den Kristall.



(* 09.02.1834, † 03.01.1912)




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