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Gegen Morgen


Tag will herauf. Nacht wehrt nicht mehr dem Licht.

 

O Morgenwinde, die den Geist in ungestüme Meere treiben!

 

Schon brechen Vorstadtbahnen fauchend in den Garten

 

Der Frühe. Bald sind Straßen, Brücken wieder von Gewühl und Lärmversperrt –

 

O jetzt ins Stille flüchten! Eng im Zug der Weiber, der sich übern Treppengang zur Messezerrt,

 

In Kirchenwinkel knien! O, alles von sich tun, und nur in Demut auf das Wunder der Verheißungwarten!

 

O Nacht der Kathedralen! Inbrunst eingelernter Kinderworte!

 

Gestammel unverstandner Litanein, indes die Seelen in die Sanftmut alter Heiligenbilderschauen . .

 

O Engelsgruß der Gnade . . ungenannt im Chor der Gläubigen stehn und harren,daß die Pforte

 

Aufspringe, und ein Schein uns kröne wie vom Haar von unsrer lieben Frauen.



(* 11.08.1883, † 30.10.1914)




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