Du sollst wieder fühlen, daß alle stark und jungen Kräfte dich umschweifen,

 

Daß nichts stille steht, daß Gold des Himmels um dich kreist und Sterne dich umwehn,

 

Daß Sonne und Abend niederfällt und Winde über blaue Meeressteppen gehn,

 

Du sollst durch Sturz und Bruch der Wolken wilder in die hellgestürmten Himmel greifen.

 

Meintest du, die sanften Hafenlichter könnten deine Segel halten,

 

Die sich blähen wie junge Brüste, ungebärdig drängend unter dünner LinnenHut?

 

Horch, im Dunkel, geisterhafte Liebesstimme, strömt und lallt dein Blut –

 

Und du wolltest deine Hände müde zur Ergebung falten?

 

Fühle: Licht und Regen deines Traumes sind zergangen,

 

Welt ist aufgerissen, Abgrund zieht und Himmelsbläue loht,

 

Sturm ist los und weht dein Herz in schmelzendes Umfangen,

 

Bis es grenzenlos zusammensinkt im Schrei von Lust und Glück und Tod.


Das Gedicht "Botschaft" stammt von (* 1883-08-11, † 1914-10-30).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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