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Mein Gefängnis


Auf dem Meere tanzt die Welle

nach der Freiheit Windmusik.

Raum zum Tanz hat meine Zelle

siebzehn Meter im Kubik.

 

Aus den blauen Himmeln zittert

Sehnsucht, die die Herzen stillt.

Meine Luke ist vergittert

und ihr dickes Glas gerillt.

 

Liebe tupft mit bleichen leisen

Fingern an ein Bett ihr Mal.

Meine Pforte ist aus Eisen,

meine Pritsche hart und schmal.

 

Tausend Rätsel, tausend Fragen

machen manchen Menschen dumm.

Ich hab eine nur zu tragen:

Warum sitz ich hier? Warum?

 

Hinterm Auge wohnt die Träne,

und sie weint zu ihrer Zeit.

Eingesperrt sind meine Pläne

namens der Gerechtigkeit.

 

Wie ein Flaggstock sind Entwürfe,

den ein Wind vom Dache warf.

Denn man meint oft, daß man dürfe,

was man schließlich doch nicht darf.



(* 06.04.1878, † 10.07.1934)




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