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Sprüche


1.

 

Das Größeste ist das Alphabet,

Denn alle Weisheit steckt darin,

Aber nur der erkennt den Sinn,

Der′s recht zusammenzusetzen versteht.

 

2.

 

So steckt Musik in Flut und Stein,

In Feur und Luft und allen Dingen;

Aber willst du vernehmen das Klingen,

Mußt du eben ein Dichter sein.

 

3.

 

Leicht ist′s, mit starken Konsequenzen

Als neuer Philosoph zu glänzen;

Doch ist′s ein schwerer Unterwinden,

Die rechten Voraussetzungen zu finden.

 

4.

 

Studiere nur und raste nie,

Du kommst nicht weit mit deinen Schlüssen;

Das ist das Ende der Philosophie,

Zu wissen, daß wir glauben müssen.

 

5.

 

Die schöne Form macht kein Gedicht,

Der schöne Gedanke tut′s auch noch nicht;

Es kommt drauf an, daß Leib und Seele

Zur guten Stunde sich vermähle.

 

6.

 

Fließend Wasser ist der Gedanke,

Aber durch die Kunst gebannt

In der Form gediegne Schranke,

Wird er blitzender Demant.

 

7.

 

Die Zeit geht langsam ihren Schritt,

Da kann der Hippogryph nicht mit.

Entweder er wird bleiben liegen,

Oder er wird voraus ihr fliegen.

 

8.

 

Gesegnet sei dir beides, Schmerz und Lust,

Und jedes Werk, das du vollenden mußt;

Doch Gott bewahre dich zu deinem Heile

Vor Krankheit, Mißmut, Langerweile.

 

9.

 

Beklage dich nicht auf deinem Pfad,

Daß dir′s an Raum zum Handeln fehle

Ein jeder Klang aus voller Seele

Ist eine wirkungsvolle Tat.

 

10.

 

Um keinen Preis gestehe du

Der Mittelmäßigkeit was zu.

Hast du dich erst mit ihr vertragen,

So wird dir′s bald bei ihr behagen,

Bis du zuletzt, du weißt nicht wie,

Geworden bist so flach wie sie.

 

11.

 

Das ist′s, was mich am Freund zumeist verdrießt,

Wenn er nach Spatzen mit Kartätschen schießt.

 

12.

 

Es winkt ein Schloß, so stolz, so schön,

Im Abendrot von steilen Höhn.

Du ringst hinauf von Stein zu Stein -

Doch ist der Gipfel dann erklommen,

So will dir kaum die Fernsicht frommen,

Du blickst nach Lager, Speis′ und Wein.

Aber das Klimmen, das Suchen, das Streben,

Das war deine Freude, das war dein Leben.

 

13.

 

Lehr′ nur die Jungen weisheitsvoll,

Wirst ihnen keinen Irrtum sparen;

Was ihnen gründlich helfen soll,

Das müssen sie eben selbst erfahren.

 

14.

 

Die Welt ist reich und wohlberaten,

Nur zäume nicht das Pferd am Schwanz,

Wolle die Nachtigall nicht braten

Und nicht singen lehren die Gans.

 

15.

 

"Woher ich dies und das genommen?"

Was geht′s euch an, wenn es nur mein ward!

Fragt ihr, ist das Gewölb′ vollkommen,

Woher gebrochen jeder Stein ward?

 

16.

 

Ruhm zeugt Eifersucht, wie man spricht;

Und solltst du dich bezwingen können,

Dem Freunde deinen Ruhm zu gönnen,

Du gönnst ihm deine Liebe nicht.

Das soll am Wein belobet sein:

Er trinkt am besten sich zu zwein.

 

17.

 

Bitterkeit zum Leide

Ist wie Gift

Auf des Schwertes Schneide,

Das dich trifft!

Magst du sonst von jedem Streich gesunden:

Niemals sind zu heilen vergiftete Wunden.

 

18.

 

Gönnt nur der jungen Brust ihr Wogen

Von Leid in Lust, von Lust in Pein!

Tränen der Lieb′ und froher Hoffnung Schein,

Das gibt des Lebens schönsten Regenbogen.

 

19.

 

Wohl ist es schwer, zu tragen stumm,

Wenn andre Übles von dir denken;

Doch schwerer noch, die Liebe kränken

Und nicht sagen dürfen, warum.

 

20.

 

Nur sachte, kritisches Geschlecht!

Es dünkt dein Spruch uns sehr erläßlich;

Du urteilst über Schön und Häßlich

Und weißt nicht mehr, was gut und schlecht.

 

21.

 

Wie seltsam haben sich die Sachen

In unsrer Kunstkritik gedreht!

An jedem Werk denselben Fehler machen,

Heißt heutzutag Originalität.

 

22.

 

Dich wundert′s, daß sie gegen dich schreien,

Wiewohl du sie behelligt nie? -

Das ist′s just, was sie dir nimmer verzeihen,

Daß du kein Lump bist so wie sie.

 

23.

 

Hältst du Natur getreu im Augenmerk,

Frommt jeder tüchtige Meister dir;

Doch klammerst du dich bloß an Menschenwerk,

Wird alles, was du schaffst, Manier.

 

24.

 

Dich zu verteid′gen vor dem Richter,

Führst deine Lieder du herein?

O Freund, man kann ein lyrischer Dichter

Und doch ein dummer Teufel sein.

 

25.

 

Ich fühle mich nie so groß, so klein,

Als wenn im Shakespeare ich gelesen:

Klein, weil ich denk′ an das, was mein,

Groß, weil er auch ein Mensch gewesen.

 

26.

 

An aller Fremde bunten Gaben

Mag ich mich hin und wieder laben,

Doch wohl ist mir in Süden und Norden

Nur bei den Griechen und Briten geworden.

 

27.

 

Wenn sie dich schmähten, und wenn sie dich schalten,

Widersprich nicht mit hitzigem Blut;

Schweig und schaffe, was schön und gut,

So wirst du zuletzt doch recht behalten.

 

28.

 

Das ist klarste Kritik von der Welt,

Wenn neben das, was ihm mißfällt,

Einer was Eigenes, Besseres stellt.

 

29.

 

Mit deinen Augen schaust du, was da ist:

Die Dinge sind dir, wie du selber bist:

Drum willst du andres als Verwirrung sehn,

Lern′ heiter blicken und dich selbst verstehn.

 

30.

 

Es rinnt kein Bach, er nimmt in seinem Lauf

Durch Stein und Erdreich sachte Trübung auf:

So kein Empfangnes überlieferst du,

Es kommt aus deinem Wesen was hinzu.

Du willst nicht fälschen, willst nicht Farbe geben,

Doch du bist du, das schafft die Wandlung eben.

 

31.

 

Warum dies Buch mir so mißfällt?

Just, weil es Wahrheit auch enthält;

Denn brächt′ es nichts als eitel Lügen,

Wer ließe sich davon betrügen!

 

32.

 

Leben und Dichten ist zu fassen

Wie Atem einziehn und entlassen;

Soll ich was Rechtes schaffen können,

Mußt mir ein rechtes Leben gönnen.

 

33.

 

Wie reich du dich in Lob ergehst,

Das wird des Künstlers Mut nicht stärken;

Nein, tadle gern an seinen Werken,

Doch zeig′ ihm, daß du ihn verstehst.

 

34.

 

Ja donnert Gott, Ja singt der Dichter,

Stell′ etwas hin und laß sie schrein!

Der Teufel nur, der Splitterrichter,

Der selbst nichts schafft, sagt ewig Nein.

 

35.

 

Das Schwerste klar und allen faßlich sagen,

Heißt aus gediegnem Golde Münzen schlagen.

 

36.

 

Ein gut Gedicht ist wie ein schöner Traum,

Es zieht dich in sich, und du merkst es kaum;

Es trägt dich mühlos fort durch Raum und Zeit,

Du schaust und trinkst im Schaun Vergessenheit,

Und, gleich als hättest du im Schlaf geruht,

Steigst du erfrischt aus seiner klaren Flut.

 

37.

 

Das ist die Kraft, Poet, dadurch der Geist,

Der wahrhaft schöpferische, sich erweist,

Daß kaum von seinem Flügelschlag berührt,

Dein eigner Geist den Drang des Schaffens spürt.

 

38.

 

Das reine Licht läßt sich nicht malen;

Die Dinge mal′ in seinen Strahlen,

So werden an den festen Massen

Wir auch des Lichtes Wesen fassen.

 

39.

 

Wann im Haus und auf den Gassen

Stets am heftigsten du zankst? -

Wenn du selbst im Innern schwankst,

Und du willst′s nicht merken lassen.

 

40.

 

Im Handeln ist die Masse groß,

Bei rüst′gem Werk, bei Schlag und Stoß;

Doch soll euch kräftig Heil ersprießen:

Laßt einen urteln und beschließen.

 

41.

 

Freiheit ist wie ein starker Wein;

Dem Manne wird sie stets gedeihn;

Aber ihr zecht und schreit wie Knaben,

Ihr werdet morgen Kopfweh haben.

 

42.

 

Wir hatten′s herrlich weit gebracht

Und alles fertiggesprochen;

Doch da′s nun galt, da hatte sacht

Die Zunge den Arm uns zerbrochen.

 

43.

 

Die Zeit ist wie ein Bild von Mosaik;

Zu nah beschaut, verwirrt es nur den Blick;

Willst du des Ganzen Art und Sinn verstehn,

So mußt du′s, Freund, aus rechter Ferne sehn.

 

44.

 

Gern will ich jeden anerkennen,

Der, was er treibt, zum Grund versteht;

Doch den nur weiß ich Freund zu nennen,

Durch dessen Brust ein Zug des Schönen geht.

 

45.

 

Mit dem Klagen, mit dem Zagen

Wie verdarbst du′s, ach, so oft!

Lerne Trübes heiter tragen,

Und dein Glück kommt unverhofft.

 

46.

 

Der kleine Geist, fand er in Gott die Ruh′,

Schließt vor der Welt sich ängstlich bangend zu;

Der große strebt, gestählt an Kraft und Sinnen,

Die Welt für Gott erobernd zu gewinnen.

 

47.

 

Hinweg mit dir! spricht das Gebot,

Das tatest du, dein ist der Tod!

Aber die Gnade ruft: Komm her

Und sündige fortan nicht mehr!

 

48.

 

Dem Aste gleich, darauf der Vogel schlummert, ist

Erlernte Weisheit dir ein Halt bei stiller Frist;

Doch in der Zeit des Sturms zerbricht gar leicht der Ast;

Weh dir, wenn du alsdann nicht selber Flügel hast!

 

49.

 

Wenn die Blüten abgestreift,

Ist nicht gleich die Frucht gereift

An dem Baum im Garten.

Zwischen der Empfindung Zeit

Und der Zeit, wo Tat gedeiht,

Liegt ein banges Warten.

 

50.

 

Eifersucht macht scharfsichtig und blind,

Sieht wie ein Schütz und trifft wie ein Kind.

 

51.

 

Kein tüchtig Mühn, das seinen Lohn

Zuletzt nicht reichlich in sich hätte!

Wie mancher grub nach Wasser schon

Und fand einen Schatz an selber Stätte!

 

52.

 

Proben gibt es zwei, darinnen

Sich der Mann bewähren muß:

Bei der Arbeit recht Beginnen,

Beim Genießen rechter Schluß.

 

53.

 

Sorgen sind meist von der Nesseln Art,

Sie brennen, rührst du sie zu zart;

Fasse sie nur an herzhaft,

So ist der Griff nicht schmerzhaft.

 

54.

 

Schwer ist oft das Tun fürwahr,

Aber schwerer ist das Lassen;

Dort gilt′s, einmal sich zu fassen,

Hier, gefaßt sein immerdar.

 

55.

 

Halte fest am frommen Sinne,

Der des Grenzsteins nie vergaß!

Alles Heil liegt mitten inne,

Und das Höchste bleibt das Maß.

Glücklich, wem die Tage fließen

Wechselnd zwischen Freud′ und Leid,

Zwischen Schaffen und Genießen,

Zwischen Welt und Einsamkeit.

 

48.

 

Dem Aste gleich, darauf der Vogel schlummert, ist

Erlernte Weisheit dir ein Halt bei stiller Frist;

Doch in der Zeit des Sturms zerbricht gar leicht der Ast;

Weh dir, wenn du alsdann nicht selber Flügel hast!

 

49.

 

Wenn die Blüten abgestreift,

Ist nicht gleich die Frucht gereift

An dem Baum im Garten.

Zwischen der Empfindung Zeit

Und der Zeit, wo Tat gedeiht,

Liegt ein banges Warten.

 

50.

 

Eifersucht macht scharfsichtig und blind,

Sieht wie ein Schütz und trifft wie ein Kind.

 

51.

 

Kein tüchtig Mühn, das seinen Lohn

Zuletzt nicht reichlich in sich hätte!

Wie mancher grub nach Wasser schon

Und fand einen Schatz an selber Stätte!

 

52.

 

Proben gibt es zwei, darinnen

Sich der Mann bewähren muß:

Bei der Arbeit recht Beginnen,

Beim Genießen rechter Schluß.

 

53.

 

Sorgen sind meist von der Nesseln Art,

Sie brennen, rührst du sie zu zart;

Fasse sie nur an herzhaft,

So ist der Griff nicht schmerzhaft.

 

54.

 

Schwer ist oft das Tun fürwahr,

Aber schwerer ist das Lassen;

Dort gilt′s, einmal sich zu fassen,

Hier, gefaßt sein immerdar.

 

55.

 

Halte fest am frommen Sinne,

Der des Grenzsteins nie vergaß!

Alles Heil liegt mitten inne,

Und das Höchste bleibt das Maß.

Glücklich, wem die Tage fließen

Wechselnd zwischen Freud′ und Leid,

Zwischen Schaffen und Genießen,

Zwischen Welt und Einsamkeit.

 

56.

 

Vor Leiden nur kann Gott dich wahren,

Unmut magst du dir selber sparen.

 

57.

 

Der hat′s wahrhaftig als Poet

Nicht hoch hinaus getrieben,

In dessen Liedern mehr nicht steht,

Als er hineingeschrieben.

 

58.

 

Ist′s nicht schier, um zu verzweifeln,

Wenn ich sehn muß, wie sie′s treiben,

Die da singen, die da schreiben

In dem weiland Dichterwald!

Und du läßt es dir gefallen,

Deutsches Volk, und nimmst von allen,

Was sie bringen heiß und kalt:

Statt des Wahren nur das Reizende,

Statt des Schönen nur das Beizende,

Statt des Tiefen Mißgestalt.

 

59.

 

Welch ein Schweifen, welch ein Irren!

Alle Grenzen wild verwirren,

Unsre Zeit nimmt′s für Genie.

Tonkunst will Gedanken klingen,

Dichtkunst eitel Farben bringen,

Malerei malt Poesie.

 

60.

 

Macht der Zeit verworrnes Stammeln,

Macht ihr wüster Rausch dir Pein,

Kehr′, o Seele, dich zu sammeln,

Kehre bei dir selber ein.

Schon ein heilig ernster Wille

Zieht den Gott in deinen Kreis;

Bist du fromm und bist du stille,

So vernimmst du sein Geheiß.

 

Mag dir dann der Markt nicht lauschen,

Laß ihn stürmen, laß ihn rauscher

In besinnungsloser Hast!

Doch mit glücklicherm Geschlechte

Sitzest du die schönen Nächte

Bei der Zukunft schon zu Gast.



(* 17.10.1815, † 06.04.1884)




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