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Die Quelle


Gebirgen, deren Scheitel

Stolz in die Wolken raget,

Entsprudelnd, und von Felsen

Auf Felsen niederstürzend

In′s Bergthal; oder schüchtern

Der Erde stillem Schooße

Entsteigend, und geräuschlos

Und unbemerkt durch Kieseln

Euch mühesam hinwindend,

Um unweit eurer Wiege

Im durst′gen Sande, oder

In eines Sees Gesümpfe

Schnell wieder zu verschwinden,

O Quellen, meine Wonne!

Oft neidenswerther seid ihr

Als manche große Ströme.

Es prägte jene Quelle

Der Oasis, die warm ist

Bei Nacht und kalt am Tage

Trotz Sonne und der Wüste

Gluthheißem Sande, welcher

Sie rings umgibt, noch tiefer

Sich mir in das Gedächtniß

Als alle staunenswerthen

Erscheinungen des Niles.

Und welcher Strom vermag sich

An Ruhm mit dir zu messen,

Vauklusens von Petrarka

Besungne, von Petrarka

Verewigete Quelle?

Es werden tausend Jahre

Und wieder tausend Jahre

Verfließen, und dein Name

Wird immer im Gedächtniß

Der Sterblichen noch leben.

Unsterblich ist, was, Dichtkunst,

Dein Zauberodem einmal,

Wenn auch nur leis′, berühret!



(* 05.07.1808, † 19.11.1825)




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