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Die permessische Nachtigall


Du willst, o sanfter Jüngling,

Dem Grame Preis dich geben,

Weil Hoffnungen dich täuschten,

Weil Freuden dich verließen?

Befrage du die Sonne,

Die ewigjunge, ob sie

Je auf der weiten Erde

Was Dauerndes beschienen.

Mit Götterarmen thürmte

Ein Riesenvolk der Vorzeit,

Als Denkmal seiner Stärke,

Dies ungeheure Werk auf;

In angestaunten Trümmern

Die Erd′ itzt weithin deckend,

Mit Busch und Baum durchwachsen,

Zeugt′s von der Menschen Ohnmacht.

Siehst du die Rieseneiche

Hier unter uns, wie eine

Gestürzte Himmelssäule,

Neun Morgen Landes decken?

Sie konnte sich der Kämpfe

Des Kadmus noch erinnern;

Sah Theben in der Wiege;

Noch jüngst mein Sitz, - da liegt sie.

Und jenes holde Mädchen,

Das meinem Liede lauschend,

Ich oft in ihrem Schatten

Gesehn; ich seh′ es nicht mehr.

Du siehest, alles Große

Und alles Schöne gehet

Im Lauf der Zeiten unter.

Selbst dieses stolze Theben,

Alcidens, Pindar′s Wiege,

Wird einst in Schutte liegen;

Und mühsam nur der Wandrer,

Wo es einst stand, entdecken.

Drum heische nichts von Dauer;

Und fromm den Göttern trauend,

Versuche nie den Schleier

Der Zukunft du zu lüften.

Freu′ dich des Wests, der deine

Hochglüh′nde Wange kühlet;

Freu′ dich der Felsenblume,

Die deinen Pfad erheitert.

Wer weiß, ob nicht schon morgen

Ein feindlich Ungeheuer,

Deß Dasein wir nicht ahnten,

Sein tödtend Gift uns zusprüht.



(* 05.07.1808, † 19.11.1825)




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