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Die Nacht


Es spannen unsichtbare

Erbauer ein azurnes,

Unendliches Gezelte

Von einem Himmelsrande

Zum andern aus. Es pranget

Die Decke des Gezeltes

Mit vielen wundersamen

Hellstrahlenden Gestalten.

Hier tönet eine Leier

Mit goldnen Zaubersaiten,

Dort regt ein Schwan melodisch

Die diamantnen Schwingen;

Hier zischt ein Pfeil, dort drohet

Ein riesenförm′ger Löwe;

Hier stürmt ein mächt′ger Adler,

Dort spielt ein sorgenloser

Delphin, und schaut zuweilen

Nach einem Flügelpferde,

Das, von dem weiten Wege

Erschöpft, im Perlenstaube

Der Himmelsflur sich wälzet.

Ein Engel Gottes schwebet

Umher, und hält auf Ordnung.

Es drängen sich die Federn

Der majestät′schen Flügel,

Stets sich erneuernd, eine

Die andere. Mitleidig

Läßt manche er auf Erden,

In der Gestalt von Schuppen,

Herniederfallen. Irrig

Hält sie der Mensch für eine

Unsel′ge Vorbedeutung.

Im Gegentheile bringen

Sie Wohlfahrt und Gedeihen

Dem Orte, wo sie fallen:

Es kann uns ja vom Himmel

Nur Glück und Segen kommen.



(* 05.07.1808, † 19.11.1825)




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