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Die Berge


Es gibt drei Arten Berge:

Der Erde Berge, Berge

Der Luft und Himmelsberge.

Der Erde heitre Berge

Erheben sich nur wenig,

Gleich Wogen oder Domen,

Auf meilenweiten Ebnen.

Sanft, unbemerkbar heben

Sie sich empor; man sieht es,

Daß ungern sie der Ebne

Und ihren stillen Reizen

Entsagen; auch behalten

Der Ebne klare Quellen,

Der Ebne dichte Büsche,

Die Vögel sie der Ebne,

Ja oft selbst ihre Hütten,

Und prangen im Gewande,

Worein Natur sie hüllet:

In holdem, heiterm Grüne

Erscheinen einzeln oder

In Reih′n sie unsern Blicken,

Nicht so die stolzen Berge

Der Luft. Wie Riesen stehen

In mächtiger Entfernung

Sie steil und schroff vor unserm

Erstaunten Aug′. Es badet

In tiefen Seeen, oder

Es senket sich in Sümpfe

Ihr Fuß, um uns den Zutritt

Zu ihnen zu versperren.

Zwar decket bis zur Hälfte,

Oft höher noch, der Fichte

Und Tanne dunkles Grün sie;

Doch stolz und Erd-verachtend

Umhüllt die theuren Söhne

Die Luft mit ihrem Mantel,

Und so erscheinen uns denn

Sie nicht mehr grün, erscheinen

Uns blau, wie Ihre Mutter.

Die Himmelsberg′ erheben

Geheimnißvoll in′s Reich sich

Der Wolken und berühren

Des Himmels heil′ge Schwelle.

Sie sind das Band, das Menschen

Und Gott vereinet. Höchstens

Trägt noch ihr Fuß die Spuren

Des Irdischen. Selbst aber

Sind sie in blendendweißen,

Flecklosen Schnee gekleidet,

Auf den die Morgenröthen,

Auf den die Abendröthen

Den ganzen Reichthum ihrer

Prachtvollen Farben strömen.



(* 05.07.1808, † 19.11.1825)




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