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Des Menschen Pläne


Aus fernen Ländern kehrte

Zur Heimat nun ein Mann

Mit Gold und Diamanten,

Die handelnd er gewann.

Fern glühn der Reichsstadt Thürme

Vor ihm im Abendroth.

»Hier ess′ ich im Gebirge

Mein letztes Abendbrot.

»Wie wird sich Alles drängen

Nun um den reichen Mann!

Zehn Jahr sind′s, keiner blickte

Den armen Jüngling an.

»Im nächsten Monat findet

Die Wahl der Rathsherrn Statt;

Sie wählen mich zum Rathsherrn,

Um′s Jahr zum Haupt der Stadt.«

Izt steigt der reiche Wandrer

In ein anmuthig Thal,

Tritt heiter in die Schenke,

Bestellt sein Abendmahl.

Da schenkt ein schlankes Mädchen,

Das er als Kind gesehn,

Ihm Wein aus blankem Kruge,

Und will dann wieder gehn.

»Wie bist du groß geworden,

Und schön, seit ich dich sah!

Zehn Jahre sind′s zu Ostern;

Arm war, sehr arm ich da.

»Nun bin ich reich geworden

Im fernen Morgenland

Sag′, würdest du mich nehmen,

Böt′ ich dir meine Hand?«

Bei diesen Worten wurde

Das Mädchen roth wie Blut.

»Hol′ Würd′ und Amt der Kuckuck!

Hier lebt sich′s froh und gut.«

Im schönen Thale siedelt

Der reichgewordne Mann,

Fern von der Städte Ränken,

Sich mit dem Mädchen an.



(* 05.07.1808, † 19.11.1825)




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