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Der Sommer


O anmuthsvolle Tage,

Wo, Sonne, du im Norden

Uns auf- und untergehest,

Und wo die Abendröthe,

Den einen Fuß im Meere,

Mit zarter Hand und leisem

Geräusch die Morgenröthe,

Die Schläferin, erwecket,

Dann ihren Kranz von Rosen,

Den, um ihn aufzufrischen,

Sie durch die Wellen ziehet,

Um′s Haar der Schwester schlinget!

Von diesen Höhen seh′ ich

Vier Seee vor mir liegen:

Den Blumensee der Wiesen,

Den goldnen See der Saaten,

Den grünen See der Wälder,

Den blauen See der Wellen,

Der Wiesen, Saaten, Wälder

Und den hier reinlasurnen,

Dort leichtbeflorten Himmel

In seinem Schooße spiegelt.

Fast unsichtbare Netze,

Noch feiner als der Spinne,

Und wie vom reinsten Golde

Gewebt aus Sonnenstrahlen,

Verbreiten, immerrege,

Sich ob der warmen Gegend.

O Gottes weite Schöpfung,

Wie schön bist du und herrlich!

O Harmonie der Vögel,

Die aus dem Walde schallet!

O segensvoller Reichthum

Der Heerden, die die Auen

Und Sümpfe froh durchirren!

O liebliches Gewimmel

Der nimmermüden Fischer,

Die ihren blauen Acker

Zu keiner Zeit besäen,

Und unaufhörlich ernten!

Der Pflüger aber ruhet

Hier in der Sonne Strahlen,

Dort in der Bäume Schatten,

Und sieht der nahen Ernte

Mit frohem Blick entgegen.

Es eilt die niedre Sonne

Zu ihrer Ruh. Viel lauter

Erschallet aus dem Walde

Das Abschiedslied der Vögel,

Viel lauter tönt das Brüllen

Der Heerden, die gesättigt

Zu ihrer Hürde kehren.

Der Fischer singt, begleitet

Von selbstgemachter Flöte,

Ein muntres Lied, und kehret

Zu seiner nahen Hütte

Im beutevollen Kahne;

Der Pflüger aber betet

Mit abgezognem Hute

Um Segen für die Saaten

Und Haus und Weib und Kinder.

Die Sonne ruht im Meere,

Und ob der Stelle, wo sie

In vollem Glanz gesunken,

Schwebt eine ungeheure,

Hellglänzend goldne Krone,

Der ein anmuth′ger Halbkreis

Von rosenrothen Strahlen

Entströmet, die, gleich einem

Prunkvollen Baldachine,

Die grünbesäumte Wölbung

Des Abendhimmels decken,

Dem Landmann ein willkommnes,

Bewährtes Zeichen lange

Noch daur′nden schönen Wetters.



(* 05.07.1808, † 19.11.1825)




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