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An meinen Arzt


Gib auf, o Arzt, dein Streben!

(Ich sag′ es ohne Harm)

Nicht retten wirst mein Leben

Du aus des Todes Arm.

Was hold im Lenze blühte,

Fällt vor dem Herbst oft ab:

Denn ihre Zeit hat Blüthe,

Und seine Zeit das Grab.

So lang Kraft in mir webet,

Gleich′ ich der Nachtigall,

Die Wald und Flur belebet,

Und weckt den Wiederhall.

Soll feige nun ich klagen,

Daß mich, zu früh vielleicht,

In meinen schönsten Tagen,

Des Todes Pfeil erreicht?

Wir kennen ja den Schützen,

Gegossen ganz aus Stahl;

Nichts wird vor ihm uns schützen,

Fiel auf uns seine Wahl.

Drum laß, o Arzt, dein Streben!

(Du siehst mich ohne Harm)

Nicht retten wirst mein Leben

Du aus des Wüthrichs Arm.



(* 05.07.1808, † 19.11.1825)




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Kommentare

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  • Gravatar von eine Frau
    eine Frau |
    vor rund 5 Jahren

    Wie traurig! Und was für grandiose Zeilen für ein so junges Mädchen.