Auf die Stirn nimm diesen Kuß!

Und da ich nun scheiden muß,

Laß mich dir gestehn zum Schluß:

Die ihr wähntet, daß ein Traum

Meine Tage, irrtet kaum.

 

Wenn die Hoffnung sich zerschlug

- Wann und wo sie auch entflohn,

Ob bei Nacht im Schattenflug,

Ob am Tage, als Vision -

War sie darum weniger Trug?

Was sich uns erfüllt, was nicht,

Ist im Traum ein Traumgesicht.

 

Wo die Welle, weiß von Gischt,

Um den Brandungsfelsen zischt,

Steh ich, und vom goldnen Sand

Halt ich Körner in der Hand.

Wenige! Doch selbst diese, ach!

Gleiten in die Flut gemach,

Und ich weine ihnen nach.

O Gott! wie halt ich sie in Haft,

Daß nicht alle mir entrafft!

O Gott! Kann ich nicht eins der Flut

Entziehn in meine sich′re Hut?

Ist alles, was wir kaum

Zu eigen nannten, Traum im Traum?


Das Gedicht "Ein Traum im Traume" stammt von (* 1809-01-19, † 1849-10-07).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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