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Der Eroberer Wurm


Im Weltenraum ist Galanacht.

Im Theater sitzt gedrängt

Eine Engelschar in Festestracht,

Verschleiert, zährendurchtränkt,

Und lauscht einem wechselvollen Stück,

Wo Furcht und Hoffen sich drängt,

Dieweil im Orchester Sphärenmusik

Sich langsam hebt und senkt.

 

Gottähnliche Mimen murmeln leis

Den Text und kommen und gehn

Auf großer, formloser Wesen Geheiß,

Die in den Kulissen stehn,

Mit ernsten Gebärden, feierlich stumm

Die Wände schieben und drehn,

Und mit ihren Flügeln ins Publikum

Unsichtbares Leiden wehn.

 

Dies Drama, wechselvoll, fieberisch,

Es bleibt der Welt unverkürzt,

Mit einem scheckig bunten Gemisch

Von Tollheit und Sünde gewürzt,

Dahinter sich eitel Elend und Graus

Zum verworrenen Knoten schürzt,

Und ein Phantom sich unter Applaus

Ins leere Dunkel stürzt.

 

Doch sieh! eine Form aus ekler Brut

Schleicht in den Mimenknäul -

Ein kriechendes Untier, rot wie Blut,

Das sich windet und windet, dieweil

Es nach und nach die Mimen verzehrt

Unter der Opfer Geheul,

Und die Engelschar ein Schauder durchfährt

Ob der unendlichen Greu′l.

 

Aus sind die Lichter - ausgeweht;

Mit der Wucht eines Sturmes fällt

Der Vorhang, ein Leichentuch, sternbesät,

Über das bretterne Zelt.

Die Engel erheben sich abgespannt

Und erklären der bangen Welt,

Daß die Tragödie »Mensch« benannt

Und Eroberer »Wurm« ihr Held.



(* 19.01.1809, † 07.10.1849)




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