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An Marie Louise Shew


In des Verstandes eitler Überhebung

Verkündete ich einst die »Macht der Sprache«,

Bestritt, daß ein Gedanke je erwache,

Für den das Wort ohnmächtig zur Belebung.

Und gleichsam, die Vermessenheit zu strafen

(In der ich mich so überlegen wähnte),

Haben zwei Worte, liebliche Akzente,

Zweisilbig, italienisch - nur geschaffen,

Auf Hermonshügeln, wo in Perlensträngen

Vom Firmament Tautropfen niederhängen,

Von Engelslippen musikalisch lind

Zu zittern - aus dem abgrundtiefen Schachte

Der Seele mir Gedanken, ungedachte

(Welche die Seelen der Gedanken sind),

Herausgelockt - zu wilden Phantasien,

Als daß sie selbst der Engel Israfel

Dem Gott der Stimmen lieblichste verliehen,

Zu formen wüßte. Und trotz dem Befehl

Aus deinem Munde fühl′ ich mich erlahmen;

Mit diesen süßen Lauten, deinem Namen

Als Text, versagt die Macht der Sprache -

Kaum fühl′ ich mehr - nicht Fühlen ist dies wache,

Der Welt entrückte, völlige Versinken,

Lautlose Stehen an der goldnen Schwelle

Der Träume, dieses Starren in die Helle,

Dieses Erschauern, wenn ich mir zur Linken,

Zur Rechten, vor mir, in der Höhe,

Und weit, weit weg am fernsten Punkt, wo sich

Mein Blick verliert, nichts andres sehe Als dich. -



(* 19.01.1809, † 07.10.1849)




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