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An Helene (1)


Ich sah dich einmal, einmal nur - vor Jahren.

Es war in einer Julinacht; vom klaren

Gestirnten Himmel, wo in sichrer Schwebe

Der volle Mond eilends die Bahn durchlief,

Fiel weich und schmeichlerisch ein Lichtgewebe

Auf einen Garten, der verzaubert schlief -,

Fiel weich und schmeichlerisch ein silbern lichter,

Duftiger Schleier und verhüllte tief

Die himmelan gehobenen Gesichter

Von vielen hundert Rosen, die in Farben

Jungfräulich reiner, ernster Schönheit blühten,

Die in dem Liebeslichte schämig glühten,

Zum Dank sich selber gaben - und so starben.

 

Ein weißes Kleid umschloß dich faltig weich -

Du standest sinnend, und den Rosen gleich

Erhobst du das Gesicht, doch ach, in Trauer!

War es nicht Schicksal, das mich an die Mauer

Des Gartens führte zu derselben Zeit?

Nicht Schicksal (dessen andrer Name Leid),

Das mir gebot, die Düfte einzusaugen

Der eingewiegten Rosen? Alles schlief,

Die ganze schnöde Welt - nichts regte sich.

Nur du und ich, o Gott, nur du und ich.

 

Ich sah nur dich, ich sah nur deine Augen,

Ich sah nur diese Sterne, dunkel, tief -

Und da auf einmal war mir′s, als versänke

Der Garten; meinem Blick entschwanden

Die Schlangenwege und die Rasenbänke -

Im liebeheißen Arm der Lüfte fanden

Die Düfte ihren Tod - der Mond verblich;

Nichts atmete, nur wir, nur du und ich;

Nichts strahlte, nur das Licht in deinen Augen,

Nichts als die Seele deiner dunklen Augen.

Ich sah nur sie, nur sie allein, sie bannten

Den flüchtigen Fuß mir stundenlang und brannten

Sich wie zwei Flammen tief in meine Brust -

Oh, welche Märchen standen da geschrieben,

Ein Weh, wie tief, ein Stolz, wie machtbewußt,

Welch abgrundtiefe Fähigkeit zu lieben!

 

Doch endlich legte sich Diana drüben

Im Westen in ein Wolkenbett, und du -

Ein Geist - entglittst. Nur deine Augen blieben.

Sie schwanden nicht, sie strahlten immerzu.

Die leuchteten mir heim auf meinem schroffen,

Sternenlosen Pfad in jener Wundernacht.

Sie wichen nicht von mir (wie all mein Hoffen).

Sie wachen über mich mit Herrschermacht,

Sie sind mir Priester - ich ihr Untertan.

Ihr Amt ist zu erleuchten - meine Pflicht,

Erlöst zu werden durch ihr reines Licht,

Geweiht in ihrem heiligen Flammenlicht.

Sie füllen mir die Brust mit Schönheit an

Und sind die goldnen Sterne hoch im Äther,

Vor denen ich, ein demutvoller Beter,

In meiner Nächte schlummerlosem Düster

Andächtig kniee, während in der Nähe

Des Mittagsglanzes selbst ich sie noch sehe,

Zwei Venussterne - holde Sterngeschwister.

 



(* 19.01.1809, † 07.10.1849)




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