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Uber des Sommers Abend-Zeit an Sie


Liebste / laß uns nun besehen /

Wie dir göldne Sonn entsinckt.

Wie sie wil zu Rüste gehen /

Wie sie aus dem Meere trinckt.

Denn der Abend kömpt mit Prangen

Vor der braunen Nacht gegangen.

 

Laß uns voller Lust anschauen /

Wie der Tag den Abschied hält.

Wie die grünen Wälder blauen /

Wie der reine Nebel fällt.

Wie die Dünste von der Erden

Bey den Wolcken himlisch werden.

 

Zephyr bläst mit stillem Sause

Floren Silber in den Schoß.

Nisa trägt das Graß zu Hause.

Phyllis hat die Armen bloß.

Corydon schleicht mit Myrtillen

Nach der braunen Amaryllen.

 

Die geschwemten Schafe schellen.

Schöfer Mopsus leitet sie.

Es geht nach den warmen Ställen

Alles groß und kleine Vieh.

Und Hippander kömpt bey Zeiten

Jn dem kühlen außzureiten.

 

Die verlauffnen Endten sacken /

Weil die Heerde Gänse kömt.

Laub- und andre Frösche quacken.

Alles hat mit eingestirnt

Die verwerlte Werle werlet /

Weil die Wiese sich beperlet.

 

Alles steht in vollem Schalle /

Pusch und Wald / und Laub und Graß.

Die verliebte Nachtigalle

Singt und klingt ohn unterlaß /

Daß der Zierrath aller Erden

Darob muß erfreuet werden.

 

Sie schlürft jhre reine Stimme

Durch die dunckel-blaue Luft /

Daß in jenes Thales Krümme

Jhr das Echo wiederruft.

Sie schreyt / umb die grünen Hecken

Jhren Morgen aufzuwecken.

 

Die verliebte Wachtel schläget /

Und läuft jhrem Buhlen nach

Wo sie jhre Brunst hinträget.

Und das Rebhun girt gemach /

Daß jhm in den grünen Saaten

Seine Jungen wolgerathen.

 

Auch das kluge Volck der Eulen

Eilt erfreuet durch die Luft /

Wenn sie nach den Schlangen heulen.

Die Rohrdommel pompt und ruft.

Der Nachtrabe hält sein Meckern /

Auf den dickbeseeten Aeckern.

 

Hirsch und Hinde läst sich sehen.

Sie verlassen Holtz und Wald.

Und die wilden Schweine gehen

Auf des Bauers Aufenthalt.

Hier und dort da gehen Hasen

Jn die jungen Saaten grasen.

 

Der schwartzbraune Felder-Hüter

Bläset in sein Ziegen-Horn /

Umb der Erden reiche Güter /

Umb das halbgeschoste Korn.

Seine wachen Hunde wachen /

Das Getreydicht frey zu machen.

 

Cynthia die Jägerinne /

Stellt sich an das blaue Tach /

Und jagt an der gäldnen Zinne

Jhren bleichen Sternen nach /

Die / die Nächte zu bedienen /

Jhr in was zu finster schienen.

 

Alle Blumen werden dunckel /

Nicht von der verbuhlten Nacht.

Liebste / deines Lichts Carfunckel

Hat sie bleich und kranck gemacht.

Deine Lippen / deine Wangen /

Nehmen jhren Glantz gefangen.

 

Laß uns heut zusammen setzen

Jn das feuchte Meyen-Feld /

Daß wir unsre Jugend letzen /

Morgen wird es eingestellt.

Denn der Menschen Lust und Freuen

 

Jst doch nur ein kurtzer Meyen.



(* 29.05.1623, † 12.08.1686)




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