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Sie sol der Jugend brauchen


Kom Liebste / laß uns Rosen brechen /

Weil sie noch voll und färbicht seyn

Laß andre / was sie wollen / sprechen /

Die Flucht schleicht sich den Jahren ein.

 

Wir müssen unverwendet schauen

Wie uns diß alles folgen muß /

Die Jugend trägt sich durch die Auen

Geschwind mit unvermerckten Fuß.

 

Das Haar / der Mund und diese Wangen

Vergehen offt in kurtzer Zeit.

Der augen-Liechter göldne Spangen

Seyn für dem Tode nicht befreit.

 

Die edle Schönheit der Geberden /

Die meiner Liebe Mutter ist /

Kan durch den Wind verwehet werden.

Kom Liebste / weil du jung noch bist.

 

Wer sucht den Mäyen unsrer Tage

Hernach / ist er einmahl vorbey?

Häufft sich des Winters Leid und Plage /

So sind wir aller Liebe frey.

 

Wie sich ein Regenstrom behende

Von Bergen in die Thäler geust:

So reissen wir uns selbst zum ende /

Das uns jtzund schon eylen heist.

 

Sind wir in dürren Sand geleget /

So werden wir und bleiben bleich.

Ein Stock der keine Zweige träget /

Jst keiner frischen Myrte gleich.

 

Drümb laß uns lieben / wie es gehet /

Eh noch der Abendstern anbricht.

Wer in der Liebe nichts verstehet /

Der braucht der edlen Jugend nicht.

 



(* 29.05.1623, † 12.08.1686)




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