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Auf einen schönen und artigen Papagoy


Es hat dich die Natur recht herrlich aus geschmücket;

Dein Glanz ist ungemein, man bleibt dabey entzücket.

Man sage was man will von aller Farben Kunst:

Es ist und bleibt fürwahr nur eitler Wörter Dunst.

Ich seh das muntre Grün, mit roth und gelb vermenget;

Wie sich der weisse Strahl mit in den Schnabel dränget;

O Anblick, der fürwahr mir alle Sinnen rührt!

Ihr Künstler, saget frey! seyd ihr nicht überführt,

Die Wirkung der Natur hat euch hier übertroffen?

Ihr schlechten Redner hört, ihr könnt ein gleiches hoffen.

Kaum daß sein zartes Ohr sich nach der Stimme richt,

Die nur von ohngefehr ein Wörtchen zu ihm spricht,

So sagt er deutlich noch was man von ihm verlanget.

Die Unschuld redet hier, die nicht mit Worten pranget.

Er speist sein Zuckerbrodt, steigt in dem Baur herum,

Sieht sich in keiner Schrift nach Wort und Einfall um.

Ihn plagt kein schwarzer Neid, er will sich nicht verstellen;

Kann er gleich als ein Hund mit seinem Stimmchen bellen.

Er lacht, er pfeift, er singt, wenn sich die Zunge regt

So wird ein neuer Werth auch an den Tag gelegt.

Wie sollte nicht mein Freund den klugen Vogel lieben?

Wer ihn nur hört und sieht, wird dazu angetrieben.

Ich sorge wahrlich selbst, daß ihn kein Unfall schreckt,

Und daß kein Katzenkopf sich nach dem Bauer streckt.

Mein Papchen lebe wohl, belache alle Thoren.

Die nicht so edel sind in ihrer Art gebohren.

Du sprichst dein gutes Deutsch, dein rein gesetzt Latein,

Kanst manchem der es lehrt, darinn ein Muster seyn.



(* 28.06.1695, † 01.05.1760)




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