Ein Rabe saß auf einem Meilenstein

und rief Ka-em-zwei-ein, Ka-em-zwei-ein . . .

 

Der Werhund lief vorbei, im Maul ein Bein,

der Rabe rief Ka-em-zwei-ein, zwei-ein.

 

Vorüber zottelte das Zapfenschwein,

der Rabe rief und rief Ka-em-zwei-ein.

 

"Er ist besessen!" - kam man überein.

"Man führe ihn hinweg von diesem Stein!"

 

Zwei Hasen brachten ihn zum Kräuterdachs.

Sein Hirn war ganz verstört und weich wie Wachs.

 

Noch sterbend rief er (denn er starb dort) sein

Ka-em-zwei-ein, Ka-em, Ka-em-zwei-ein.

 

(aus "Galgenlieder")


Das Gedicht "Km 21" stammt von (* 1871-05-06, † 1914-03-31).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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