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Erwuenschte Nacht Ihr angenehmer Schatten


Erwünschte Nacht! Ihr angenehmer Schatten!

Was für ein Strahl umzircket mein Gezehlt?

Will sich mit mir noch eine Sonne gatten,

Die sich anitzt zu meinem Bette stellt?

Ach Engels-Kind sei tausendmahl willkommen,

Wie bin ich doch so unverhofft beglückt?

Wo hast du denn die Gnade hergenommen,

Dass deine Brust noch meinen Geist erquickt?

Komm lege dich auf dieses sanfte Kissen,

Hier findest du der Liebe Sammel-Platz.

Dein Zucker soll mir alle Qual versüßen

Vergnüge mich du auserwählter Schatz.

Umarme doch mit wollen weichen Händen

Den heißen Leib, der sich nach Kühlung sehnt,

Erhebe dich mit deinen zarten Lenden

Schau wie die Lust schon alle Glieder dehnt.

Es sind mein Kind zwar allzu enge Schranken,

Allein es geht mit süßem Zwang hinein,

Ach Zucker-Kost der kitzlenden Gedanken,

Dabei das Mark muss ausgezehret sein.

Ach lass uns doch die Freude recht genießen

Bemühe dich und förder ihren Lauf.

Jetzt wird sich gleich der süße Tau ergießen

Ach Kind! Ach Schatz! Tu deine Muschel auf.

Nur noch einmal. – Wie bist du gar verschwunden?

Verfluchter Traum, der mich so sehr betrügt!

Wo bleiben nun die anmutsvollen Stunden?

Wo ist mein Schatz, der mir in Armen liegt?

Ach alles ist nur Phantasie zu nennen!

Die führt mich oft auf diese falsche Bahn.

Ach Schönste soll ich stets vergebens brennen?

Was hat dir doch dein treuer Knecht getan.

Ich seufze zwar, alleine ganz vergebens,

Was hilft die Nacht, wenn mich die Sonne quält.

Ich sehe schon das Ende meines Lebens,

Wo mich dein Strahl der Liebe nicht beseelt.



(* 29.09.1680, † 16.08.1721)




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