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Das Schwabenmädchen


Ich Mädchen bin aus Schwaben,

Und braun ist mein Gesicht;

Der Sachsenmädchen Gaben

Besitz′ ich freilich nicht.

 

Die können Bücher lesen,

Den Wieland, und den Gleim;

Und ihr Gezier und Wesen

Ist süß wie Honigseim.

 

Der Spott, mit dem sie stechen,

Ist scharf wie Nadelspitz;

Der Witz, mit dem sie sprechen,

Ist nur Romanenwitz.

 

Mir fehlt zwar diese Gabe,

Fein bin ich nicht und schlau;

Doch kriegt ein braver Schwabe

An mir ′ne brave Frau.

 

Das Tändeln, Schreiben, Lesen

Macht Mädchen widerlich;

Der Mann, für mich erlesen,

Der liest einmal für mich.

 

Ha, Jüngling, bist aus Schwaben?

Liebst du dein Vaterland?

So komm, du sollst mich haben.

Schau hier ist meine Hand!



(* 24.03.1739, † 10.10.1791)




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