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Der Sturm


Der lichte Himmel schwärzet sich:

Ein jäher Sturm braust in den Zweigen,

Und überall herrscht fürchterlich

Ein ehrerbiethig Schweigen.

Der kleinen Sänger tonreich Chor

Vergißt sein Lied, und lauscht in Sträuchen,

Und nur die Schwalbe schießt hervor,

Und schwebet auf den Teichen.

 

Komm Chloe, eilends folge mir:

Doch sieh, wie sich die Rosen bücken,

Vom Sturm bedroht flehn sie zu dir;

Du sollst sie liebreich pflücken.

Sie zittern vor den nahen Tod.

O sieh, wie schön sie sich entfärben!

Viel lieber wünscht ihr schamhaft Roth

An deiner Brust zu sterben.

 

Wir sind entflohn, was fürchten wir

In dieser dicht verwachsnen Laube:

Welch Glück! es wartet unser hier

Der Saft der Moslertraube.

Verwegner Nord! tob immerhin,

Und nimm, willst du ja hier noch wehen;

Nimm meiner Chloe Palatin!

Nur laß die Gläser stehen.



(* 28.01.1726, † 16.12.1804)




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