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An den Mai


Komm, lieber Mai, und mache

Die Bäume wieder grün!

Und laß mir an dem Bache

Die kleinen Veilchen blühn!

Wie möcht? ich doch so gerne

Ein Blümchen wieder sehn!

Ach lieber Mai, wie gerne

Einmal spazieren gehn!

 

In unsrer Kinderstube

Wir mir die Zeit so lang;

Bald werd? ich armer Bube

Vor Ungeduld noch krank.

Ach! bey den kurzen Tagen

Muß man sich obendrein

Mit den Vokabeln plagen,

Und immer fleißig seyn.

 

Mein neues Steckenpferdchen

Muß jetzt im Winkel stehn;

Denn draußen in dem Gärtchen

Kann man vor Schnee nicht gehn.

Im Zimmer ists zu enge,

Und stäubt auch gar zu viel,

Und die Mama ist strenge;

Sie schilt aufs Kinderspiel.

 

Am meisten aber dauret

Mich Lottens Herzeleid;

Das arme Mädchen lauret

Recht auf die Blumenzeit.

Umsonst hohl? ich ihr Spielchen

Zum Zeitvertreib herbey;

Sie sitzt in ihrem Stühlchen,

Wie?s Hühnchen auf dem Ey.

 

Ach wenns doch erst gelinder

Und grüner draußen wär!

Komm, lieber Mai! wir Kinder,

Wir bitten gar zu sehr.

O komm! und bring vor allen

Uns viele Rosen mit!

Bring? auch viel Nachtigallen

Und schöne Kukuks mit!



(* 21.08.1755, † 09.03.1821)




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