Seht der könig könig hängen!

und uns all mitt blutt besprängen

auss der dörner wunden bronnen

ist All unsser heyl geronnen

seine augen schliest Er sacht!

und den Himmel uns aufmacht

Seht Er Streket Seine Hend auss uns freundlichst Zuentfangen!

Hatt an sein Liebheisses Herz uns zu drüken brünst verlangen!

Ja Er neigt sein liebstes haubt uns begihrlichest zu küssen

All Sein Sinn gebärd und werk seyn zu unser Heyl geflissen!

Seiner seitten offen stehen

Macht seyn güttig Herze sehen!

Wann Wir schauen mitt den Sinnen

Sehen Wir uns selbst darinnen!

So Viel striemen so Viel Wunden

Alss an seinen leib gefunden

So Viel Sieg und Segen kwellen

Wollt′ er unser Seel bestellen,

Zwischen Himel und der Erden

wollt′ Er auf geopfert werden

Dass Er gott und uns verglihen

uns Zu sterken Er Verblihen

Ja sein sterben hatt das Leben

Mir und Aller Weltt gegeben!

Jesu′ Christ dein Tod und schmerzen

Leb′ und schweb′ mir stett im Herzen!


Das Gedicht "Kreuzgedicht" stammt von   (1633 - 1694).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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