Gott sperrt die Erden auf / als seines Schatzes Kasten /

der einig Schlüssel ist / sein Wort / durch dessen Krafft

ihr / käumen / wurzen / grün- und blühen wird verschafft.

Es würkt den Wachsthums Safft in Erd- und Sternen-Brüsten /

Ja kan die ganz Natur zur Freud und Wollust rüsten.

Es ist der Wurzel Geist / der Gräslein Herzens-Safft /

der Blumen LebensLufft / mit süssem Thau behafft /

kurz / der Geschöpffe Ruh / nach dem sie all gelüsten:

Es zeigt uns Gott in ihm / als in dem Spiegel Glanz /

und weist uns selben auch in all-erschaffnen Dingen:

wie seine Schön′ herblickt aus bunten Blumen Kranz.

Sein Süßheit sich zu Mund will aus den Früchten schwingen.

Ja alls / was sichtbar nur / ist Gottes Ebenbild /

wie schön / süß / gut er sey / wie hoch! wie reich! wie mild.


Das Gedicht "Gott-lobendes Frülings-Lied" stammt von   (1633 - 1694).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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