Der blaue Himmel gibt nicht fruchtbar-sanfften

Regen.

Es treuffet keinen Thau der strahlende Mittag.

Der schöne Demant auch zu nehren nicht vermag.

man muß / will man zum Port / das Wasser ja

bewegen.

Die Traid-bekleidten Berg / nit Gold und Silber

hegen.

So kan die Tugend auch nit blühen sonder Plag.

in gutem Glück sie grob ohn′ allen Glanz da lag /

in Müh und Arbeit wolt der Höchst den Segen legen.

im sauren Meer / und nicht im süssen wachs

Palast /

die theuren Perlein seyn. Also / in vollen Freuden

wird keine Himmels Zier / kein Tugend / nicht

gefasst:

Ihr Balsam-Geist riecht nur im Schmerz-geritzten

Leiden.

Die Sonn müst / solt ein Land sie stets bescheinen /

stehn.

wann keine Nohtnacht wär / würd kein Lust-Sonn

aufgehn.


Das Gedicht "Das Tugend-ersprießliche Unglück" stammt von   (1633 - 1694).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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