O Ihr Sterne / O ihr Strahlen

die ihr an dem Himmel leucht

wann die Sonne von uns weicht!

wie beliebt ihr mir vor allen!

es ist meiner Augen Liecht

schnurstracks gegen euch gericht.

 

Euer Blitzen / euer Glitzen

eure Hochheit liebt mir wol:

daß mein Geist verlangens voll

wünschet neben euch zu sitzen.

Daß ich nicht mehr Irdisch wär

nicht aus Hoffart / ichs begehr.

 

Ihr vollzieht des Höchsten heissen

in gehorsams höchstem Grad:

bleibt in seiner Ordnung Pfad

mit dem Einfluß / Lauff / und gleissen.

eures Thun und Lassens Ziel

ist / vollbringen was GOtt will.

 

Könt solch heiliges Beginnen

auch in mir ereigen sich!

daß ich würkte stätiglich

wie ihr auf den Himmels Zinnen

was mein GOtt erheischt von mir:

wolt ich mich noch dulden hier.

 

Nur die Ketten / nur die Bande

nur der Sünden-Strick beschwer

machen wünschen / daß ich wär

Engel-rein in GOttes Hande

ganz befreyt der Eitelkeit:

nicht das Elend dieser Zeit.

 

Zagen / ist bey feigen Herzen;

nur die Kleinmuht wünscht den Tod:

Dapfferkeit kan alle Noht

tragen / sonder Klag und Schmerzen,

Nur / der Sünden Todt zu sehn

wünsch′ ich in den Tod zu gehn.


Das Gedicht "Bey Ansehung der Sternen" stammt von   (1633 - 1694).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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