Wie sehr der Wirbelstrom so vieler Angst und plagen

mich drähet um und um / so bistu doch mein Hort

mein mittel punct / in dem mein Zirkel fort und fort

mein Geist halb hafften bleibt vom sturm unausgeschlagen.

 

Mein Zünglein stehet stät / von Wellen fort getragen

auf meinen Stern gericht. Mein Herz und Aug′ ist dort

es wartet schon auf mich am Ruhe-vollen Port:

dieweil muß ich mich keck in weh und See hinwagen.

 

Offt will der Muht / der Mast / zu tausend trümmern springen.

Bald thun die Ruder-Knecht / die sinnen / keinen Zug.

Bald kan ich keinen Wind in glaubens-Segel bringen.

 

Jetz hab ich / meine Uhr zu richten / keinen fug.

Dann wollen mich die Wind auf andre zufahrt dringen,

bring′ an den Hafen mich / mein GOtt / es ist genug!


Das Gedicht "Auf meinen bestürmeten Lebens-Lauff" stammt von   (1633 - 1694).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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