Sternen-bunter Himmels Thron

und du Mond der Nächte Kron!

leuchtet / weil den Sonnen-Strahl

uns benimmt der Erden Ball.

 

Stillheit / der Gedanken Grab!

stelle Sorg′ und Grämen ab.

Stille / stille / still′ in mir

alle Herzbewegungs-Gier!

 

Nun die Musik in der Lufft

schläfft in holer Bäume Klufft

ruht und kommet mir nit für

in der GOtt-Erhebungs Gier.

 

Süsser GOttes-Gnaden-Safft

der auch schlaffend Glück verschafft!

fliesse mir in Träumen ein

meiner Wolfahrt Schein und Seyn!

 

Schatten / Freund der Ruhigkeit!

Nacht / du Müh′-Ergetzungs-Zeit!

ihr solt nie so dunkel seyn

daß ihr blendt der Ehren-Schein.

 

Und du meiner Ruhe Ruh

Herzen-Herrscher / komm herzu

sey du selbst mein schlaff-Gemach:

gib / daß ich dir schlaffend wach.

 

Meine Augen / schliesset euch

seit an Ruh-Gebährung reich!

aber du / mein Geist / betracht

lobe GOtt um Mitternacht!


Das Gedicht "Auf die ruhige Nacht-Zeit" stammt von   (1633 - 1694).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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