Mein Gott du bist getreu / wie seltsam es auch scheinet.

Wann alles knackt und kracht / wann Blut und muht erliegt /

wann selbst das Herz entherzt kein safft noch Krafft mehr kriegt;

wann alles man verhaust und aus zu seyn vermeinet;

ja wann uns auch gedunkt der Himmel ganz versteinet /

daß weder flehn noch bitt ihm etwas mehr ansiegt /

hingegen alles sich uns zu betrüben fügt /

und sich mit ganzer macht zu unsern Creutz vereinet:

so ist bereit die zeit der gnaden-labung hie /

die kan so wunderbald das Leid in Freud verwandlen /

die pflegt so lieblich süß die schmerzen zu behandlen

das man nicht wünschen soll / das sie gewesen nie.

Da siht man / daß Gott / nur recht zu erfreuen / kränket.

sein Liebessinn auf nichts / als unsre wolfart denket.


Das Gedicht "Auf das verwirrte widerwärtige aussehen" stammt von   (1633 - 1694).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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