In regungslosem Brüten schleiern Meer und Himmel,

eintönig grau, wie blindgewordene Spiegel, und re-

gungslos dazwischen steht das Land.

Eine Menge Licht ist in der Luft; ein Licht jedoch,

das keine Schatten hat, gleichmäßig und zerteilt, so

daß man kaum erkennt, obs Mittag oder Abend und

wo die Sonne steht.

Die Oie hängt wie ein rötlich Wolkenbild im Dunst

und ein paar Boote mit kupfergelben Segeln kriechen

an ihm hin, gleich großen Motten, die an einer Fen-

sterscheibe aufwärts wollen.

Nun taucht ein Dampfer aus der Tiefe und langhin

ballt sein Rauch in runden dunkeln Wolken sich aufs

Wasser.

Kein Laut, kein Ton! Mit dumpfem Schlafe liegt

der Sommer im Gelände und alles halbbeklommen

hält den Atem an, als müsse jeden Augenblick ein ...

Klang, ein ... Ruf, ein ... Schrei dies Schweigen bre-

chen.

 

Und plötzlich fallen große schwere Tropfen.

 


Das Gedicht "Spätsommerstimmung" stammt von   (1864 - 1920).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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