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Liebesgroßmuth


Fragen möcht′ ich dich mit süßem Bangen,

Wie sich deine Lieb′ zu mir verloren?

Nach dem Höchsten durftest kühn du langen

Und statt seiner hast du mich erkoren!

 

O ich ahne, was dich an mich bindet:

In den Liebesketten, die dich halten,

Sieht mein Auge und mein Herz empfindet

Deiner Großmuth königliches Walten.

 

Weil von Sturmesgrimm und Wetterstrahle

All mein Sein versengt, versehrt, verschüttet,

Hast du auf das blüthenlose, fahle,

Deiner Seele Frühlingshort geschüttet.

 

Weil du mich gebeugt, entweiht vom Leben

In der dunkeln Menge aufgefunden,

Hast du, mich zu dir emporzuheben,

Lichte Kronen um mein Haupt gewunden.

 

Zu dem Wesen wolltest du dich wenden,

Dem versagt blieb jede Glückesgabe,

Daß es reich sei nur durch deine Spenden,

Daß es dir allein zu danken habe.

 

Daß es, im Bewußtsein dieses Bundes

Wie die Opferflamme liebentbrenne

Daß es leb′ vom Hauche deines Mundes,

Daß es dein sei, wie ich dein mich nenne.



(* 30.12.1814, † 05.07.1894)




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