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prüfe fleisch und blut


Climene / prüfe fleisch und blut /

Und straffe meine liebes-glut /

Nicht nach der schwäche deiner flammen;

Mein feuer kömmt aus Adams schooß /

Darein der himmel selber floß;

Wie kan dein menschlich herz doch meine glut verdammen.

 

Du bist / wie Eva / fleisch und bein /

Drum kanstu auch kein engel seyn /

Und ausser menschen dich verlieben /

Und das gesetze der natur /

Das mit dem athem in uns fuhr /

Hat auch in deine brust: seyd fruchtbar; eingeschrieben.

 

Wer sich in stiller glut verbrennt /

Und menschen-liebe sünde nennt /

Muß auch das paradieß verdammen;

Denn Evens weisse marmel-haut

War kaum aus knochen auffgebaut /

So fühlte Adams herz schon süsse liebes-flammen.

 

Climene / drum bedencke dich /

Du kanst hier ohne dornen-stich

Die schönsten zucker-rosen brechen.

Ein mensch muß wie die ärzte seyn /

Und eher nicht von todtes-pein /

Als von der lebens-krafft der starcken öle sprechen.

 

Schau / meine seele schmelzt in mir /

Und alle glieder folgen dir /

Gleich wie die blumen ihrer sonnen;

Bist du mir nun mein sonnen-schein /

So laß mich deine blume seyn /

Biß meine wurzel grund in deinem schooß gewonnen.

 

Benjamin Neukirch



(* 27.03.1665, † 15.08.1729)




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