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Auff ihre eifersucht


Zürne nicht/ betrübtes hertze!

Denn die lebens-volle kertze

Meiner liebe brennet noch.

Phyllis mag die hoffnung haben;

Dein verstand und deine gaben

Bleiben doch mein süsses joch.

 

Ist es möglich/ daß du weinest?

Ist es möglich/ daß du meynest/

Daß ich dich verlassen kan?

Ey so schaue doch von fernen/

Auch einmahl bey andern sternen

Dich/ o sonne/ selber an.

 

Dein erhobnes angesichte

Machet allen glantz zu nichte/

Der die blinde welt bethört.

Phyllis selbst muß mit betrüben

Sich in deinen mund verlieben/

Wenn sie deine lieder hört.

 

Alle junge schäferinnen/

Fliehen mit gedult von hinnen/

Wenn sie dich/ o wunder/ sehn.

Zephyr steigt aus seinen hölen/

Deine brüste zu beseelen/

Und von neuem auffzuwehn.

 

Venus wird von zorn entzündet;

Weil sie alles an dir findet/

Was ihr nur allein gebührt:

Wie solt′ ich denn/ schönste Nymphe/

Dir zu trotz und mir zum schimpffe

Hassen/ was die götter rührt?

 

Dencke selbst/ ich bin getrieben.

Ich will/ soll/ und muß dich lieben.

Nichts reist meinen fürsatz ein.

Denn was du einmahl gebohren/

Muß/ geht alles gleich verlohren/

Dennoch unvergänglich seyn.



(* 27.03.1665, † 15.08.1729)




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