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An Herrn D. Wegnern in Frankfurt an der Oder...


An Herrn D. Wegnern in Frankfurt an der Oder/als demselben zwey wohlgerathene söhne starben

 

Mein Herr/ wann durch die last der auffgelegten bürde

Sein hertze thränen-saltz/ das saltz zu blute würde/

So könte dieses wohl ein zeugniß seiner pein/

Doch keine schilderey so grosser schmertzen seyn.

Denn wem ist nicht bekandt/ wie man um freunde trauret?

Wie lange der verlust von einem kinde dauret?

Zwey aber auff einmahl/ scheint warlich allzuviel/

Wenn sie des himmels schluß und sein verborgnes ziel

Aus unsern augen reist: Noch mehr/ wann ihre gaben

Als wunderwercke sich der welt gewiesen haben/

Und sie ein vater schon auff erden so erhöht/

Daß ihrer jugend baum in vollen früchten steht.

Doch sein gesetztes hertz/ das die gedult regieret/

Wird durch den donnerschlag des todtes zwar gerühret/

Nicht aber unterdrückt; denn seine seele denckt/

Daß Gott und himmel offt im giffte zucker schenckt.

Er hat mit saurer müh den einen lehren müssen/

Wie auch ein tauber kan der reden deutung wissen.

Den andern hat er gar durch fleiß dahin gebracht/

Daß er sich vor der zeit durch sprachen groß gemacht.

Allein der höchste will die lehre selbst vollenden/

Drum müssen beyde sich in seine schule wenden:

Er aber giebet sich mit grossem ruhme drein;

Weil hier auff erden doch nur lauter pfuscher seyn.



(* 27.03.1665, † 15.08.1729)




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