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An Florinden


Florinde / soll ich dich ersuchen /

Und hab ich nicht zu grob gespielt /

So sage doch nur / ob dein fluchen

Auff freundchafft oder feindschafft zielt?

Sonst muß ich fort / sonst muß ich fliehn /

Und dir aus deinen augen ziehn.

 

Ein griff wird dich ja nicht verdriessen /

Greifft man doch wohl den käyser an;

Du weist ja / daß aus griff und küssen

Kein krancker leib entstehen kan:

Denn was von aussen nur geschehn /

Läßt keine grosse flecken sehn.

 

Ein feigenbaum ist auffgeschossen /

Daß man ihn endlich brechen soll;

Ein apffel / den kein mund genossen /

Schmeckt auch nicht in den augen wohl /

So quillt aus überdeckter brust /

Auch keine rechte liebes-lust.

 

Drum laß den marmel deiner brüste

Mir länger nicht verschlossen seyn;

Nimm die begierden meiner lüste

Zu deinen engen pforten ein /

Und mache meine schwarze hand

Mit deiner weissen haut bekandt.

 

Ich werffe meine liebes-flammen

In deinen auffgeblehten schnee /

Streich du nur alle krafft zusammen /

Und kühle meines herzens weh /

So lieb ich dich / so liebst du mich /

So lieben wir uns inniglich.

 

Jedoch verzeihe mir / Florinde /

Daß ich so frey mit dir gescherzt /

Du fühlest nicht / was ich empfinde /

Noch was mich in der seele schmerzt.

Du siehst zwar meiner liebe wahn /

Nicht aber meine kranckheit an.

 

Was fleisch ist / muß vom fleische leben /

Ich bin kein engel oder geist;

Drum wundre dich nicht / daß mich eben

Ein trieb auff deine brüste reißt /

Und dencke / wer du auch schon bist /

Daß nichts umsonst gewachsen ist.



(* 27.03.1665, † 15.08.1729)




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