In den duftenden Frühling will ich hinaus,

Hinweg aus dem kalten, beengenden Haus

In die freie verlockende Weite;

Was soll mir der Bücher verdrießlicher Kram,

Die ich immer und immer vergeblicher nahm,

Ich werfe sie freudig zur Seite.

Denn find′ ich nicht draußen der Blätter genug?

Da schimmert geheimnißvoll jeglicher Zug

Von des Ewigen eigenen Händen,

Das wieget die übrigen Lettern wohl auf,

So will ich denn auch in geflügeltem Lauf

Von dem Einen zum Andern mich wenden.

Da bin ich nun draußen und blicke umher,

Wie wird das Studiren schon wieder mir schwer,

Hier unter den blühenden Bäumen!

Sie senden schon Blüthe auf Blüthe mir zu,

So will ich hier rasten in seliger Ruh,

Und will nur genießen und träumen.

Anmerkung: Auguste Kurs (ca. 1815 - 1892) war eine deutsche Dichterin. Sie begann schon im Alter von 7 Jahren erste Ausflüge in die Poesie. Im Jahr 1845 veröffentlichte sie anonym ihren ersten Gedichtband „Epheublätter“, den sie erst ab der dritten Auflage 1854 mit ihrem Namen versah.

Das Frühjahr bezeichnet die Jahreszeit des Übergangs: heller, wärmer, lebendiger. In Mitteleuropa beginnt es meteorologisch am 1. März und astronomisch mit der Tag-und-Nacht-Gleiche um den 20. März. Die Natur reagiert darauf mit einer ganzen Reihe gut beobachtbarer Veränderungen.


Das Gedicht "In den duftenden Frühling will ich hinaus" stammt von (* 1815-11-26, † 1892-07-18).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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