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Ballade


I.

Es fällt ein Schuß im düstern Wald -

Fort, fort nur ohne Aufenthalt,

Du blutiger Geselle!

Er wendet scheu den Mörderblick

Zu seinem Opfer noch zurück

Und flieht mit Windesschnelle.

Er hat die Augen noch gesehn,

Die starr und glanzlos offen stehn,

Das Blut auf grünem Grunde -

»Es war mein Feind, den ich erschlug,

Für uns die Welt nicht groß genug,

Doch fluch′ ich dieser Stunde!«

Es treibt ihn ruhelos umher,

Es treibt ihn über Land und Meer,

Kein Ausweg, der ihn rette,

Ihn bannt des Todten starrer Blick,

Es zieht ihn immerdar zurück

Zur blut′gen Waldesstätte.

II.

Der Regen rauscht im düstern Wald,

Der Reiter trabt ohn′ Aufenthalt,

Es will der Wald nicht enden;

Er hält das scheue Roß zurück,

Und muß ohn′ Unterlaß den Blick

Zu jener Stätte wenden;

Zu jener Stätte, wo am Rain

Sich hebt in Kreuzesform ein Stein,

Sein Blick kann es erreichen -

»Der Regen überströmt das Land

Und nur das Blut an meiner Hand,

Es will doch nimmer weichen!«

Das Roß umkreist den stillen Ort,

Vergebens strebt der Reiter fort,

Zwei Augen sieht er offen,

Das Heidekraut ist roth wie Blut,

Er spornt das Roß in wilder Wuth

Und sinkt vom Tod getroffen.

Am Kreuze starrt ein bleicher Mann

Erlosch′nen Blicks den Himmel an,

Verglüht des Hasses Flammen -

Der Regen rauscht im düstern Wald,

Die Zweige tropfen schwer und kalt,

Die Feinde ruhn beisammen.



(* 26.11.1815, † 18.07.1892)




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