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Rom


Elegie

 

An Anne Louise Germaine Baronin von Staël-Holstein,

geb. Necker.

 

Hast du das Leben geschlürft an Parthenope′s üppigem Busen,

Lerne den Tod nun auch über dem Grabe der Welt.

Zwar es umlächelt die Erde von Latium heiterer Himmel,

Rein am entwölkten Azur bildet sich Roms Horizont,

Wie es die Ebne beherrscht mit den siebengehügelten Zinnen

Bis zu dem Meer jenseits, dort vom Sabinergebirg.

Aber den Wanderer leitet ein Geist tiefsinniger Schwermuth

Mit oft weilendem Gang durch des Ruins Labyrinth.

Von uralter und ältester Zeit, unerwecklich entschlummert,

Heget der Ort Nachhall, bleibet der Stein Monument.

Fast in der Dinge Beginn fand Zuflucht hier vom Olympus,

Hier im genügsamen Reich waltete golden Saturn.

Drüben erstreckte sich dann dein Sitz, zweistirniger Janus;

Nach Jahrtausenden noch heißet der Hügel von dir.

Ferner, ein hirtlicher Held Arkadiens, wendet Evander

Sich ansiedelnd hieher; Amphitryoniades

Ward, aus Iberien kommend, beherbergt unter dem Strohdach

Pallanteum′s, und schlug, rächend, im Felsengeklüft

Cacus, der Nachbarn Schrecken, den flammaushauchenden Räuber:

Also cyklopisch verwirrt starrte noch Wildniß umher.

Endlich erschwollen die Segel aus Phrygien: mild sie empfangend

Ebnete landeinwärts Tibris den Wellenerguß,

Denn wohl wußt′ er bestimmt den Entführer der troïschen Laren,

Fruchtbar an Weltherrschaft Ilions Asche zu sä′n.

Aber Lavinium wurde nur erst, dann Alba gepflanzet,

Keiner der Sterblichen noch hatte von Roma gehört.

Langsam reifte zum Licht die Geburt; es versuchte das Schicksal

Vieles darum: nie gab′s eine gewaltigere.

Mavors muß erst liebend entglühn, die Vestale gebären,

Erst sich der Wölfin Gier mildern in Mütterlichkeit,

Ehe die weihende Furche der Pflugschaar konnte den Umkreiß

Jener romulischen Stadt ziehn um den Berg Palatin.

Doch wie der Halbgott gleich in der Wieg′ einst Schlangen erwürgte,

Wies, unmündig und klein, schon sie den hohen Beruf.

Die zwölf Adler des Zeus, so Romulus sah zu der Rechten,

Ueber den Erdball einst sollten sie breiten den Flug.

Nicht durch rohe Gewalt: Rom wußte den Tod zu verachten,

Aber das Leben zugleich ehrt′ es mit Sitt′ und Gesetz.

Der das Asyl aufthat, der Genoß lupercalischer Räuber,

Ordnete Väter, und ward selber zum Vater Quirin.

Dann der ersinnende Numa, der heimlichen Nymphe Vertrauter,

Reinigte alles in Kraft würdiger Religion.

Hütten genügten den Bürgern annoch, als, triftig den Enkeln

Schon vorsorgend, die Stadt manches gemeinsame Werk

Bauen gelernt: viereckig gehaun nach etrurischem Richtmaaß,

Ohn′ anfugenden Kitt Massen auf Wassen gelegt,

Hub sich die Ringmau′r ihnen, vertieften sich Wölbungen unten,

Mit Bollwerken umdämmt wurde der Fels Capitol.

Viele Verfaßungen stürzten dahin: noch stehn die Gemäuer,

Welch′ einst Ancus begann, oder Superbus entwarf.

Bald nun erschien der Decier Muth, und die Beile des Brutus.

Häupter, vom Pflug oft her, oder vom Heerde, geholt,

Kamen, erretteten, siegten, vernichteten oder bezähmten,

Und dann kehrten sie heim, still, zu dem Rindergespann.

Rüstigem Alter noch troff abhärtender Schweiß; doch schienen

Unter dem greisen Gelock Runzeln der Stirn Diadem.

Drum auch liebte die Alten der Sterblichen Zeuger und Welt Herr,

Weil sie im Abglanz Ihn stellten am würdigsten dar.

Oft zwar drängte sie Noth, doch jene verzweifelten nimmer,

Denn die geheiligte Scheu wandte von ihnen die Furcht.

Mit der Gefahr wuchs jedem der Muth, sich für Alle dem Tod weihn,

Schien einfältige Pflicht ihnen in bäurischer Brust.

Wollust preisen für Tugend, die Weisheit klügelnder Griechen,

Schuf dem Fabricius Grau′n, nicht das gewaltige Thier.

Wacht, und bewahrt, o Römer, die Zucht! Nach Zeiten, da Trotz euch

Veji in′s Antlitz bot, kommen gefährlichere.

Bald wird eure Geschicht′ Ein einziger langer Triumphzug,

Und der ermüdete Blick zählt das Eroberte kaum.

Euch reift Ernte des Ruhms: euch hat Carthago gewuchert,

Gleichwie der trunkene Gott euch Alexander gesiegt.

Zu Schiedsrichtern der Völker bestellt, und der Könige Schrecken,

Falls ihr die Wage gerecht hieltet, so möchtet ihr wohl

Stets obwalten den Dingen nach Jovis untadlicher Vollmacht;

Doch zu des Glücks Vorwurf macht ihr das hohe Gedeihn.

Nicht der Samnite, des Galliers Wuth, nicht Hannibal dämpft euch.

So will′s euer Geschick: selbst nur erlieget sich Rom.

Wer nie bebte dem Eisen, vom Golde nur wend′ er den Blick ab,

Dessen bethörender Glanz hegt Basiliskennatur.

Hast du verlernt zu entbehren, und wähnst den Besitz zu ertragen?

Herr dein selbst sein, gilt′s, oder von allem der Sclav.

Nie zu ersättigen schwelgt die Begier; die erkünstelten Laster,

Her aus der Fremde geschifft, kauft unerschwinglicher Preis.

Feil ist Allen der Staat: dir, Crassus, um Sand des Paktolus;

Stolz will schaltende Macht, Spiele der Pöbel und Brod.

Scaurus und Fabius heißt ihr wie sonst: doch erröthen der Ahnen

Bildniss′ im Vorsaal euch; immer entartetere

Söhne sich zeugt das verderbte Geschlecht. Ohnmächtige Vorsicht,

Die dem entnervenden Strom Schranken entgegengestellt!

 

Alles ja folget dem Strudel; das Recht wird falsches Gewebe,

Freiheit wildes Gelüst, Larve die Religion.

Was dem Gemüth einprägten die biederen Bräuche der Vorzeit,

Sind Buchstaben in Erz, dennoch erlöschet die Schrift.

Was wohl dürfte bestehn, wenn römische Tugend und Freiheit

Niedergestürzt? Nichts bleibt unter dem Menschengeschlecht.

Auch so fielen sie groß. Als Bürgerentzweiung in Roms Blut

Tauchte das römische Schwert, sah die besudelte Welt

Alles gebändigt, nur nicht die erhabene Seele des Cato.

War frei leben versagt, sterben doch lehrten sie frei.

Solcherlei Trümmer entkamen der Tugenden Schiffbruch: nirgends

Hat sich die Stoa wie hier würdige Schüler gestählt.

Immer noch will sich bewähren der Thatkraft mächtiger Nachdruck,

Im ausschweifenden Thun kühner Gedanken Entwurf.

Dieß Zeitalter, entwöhnt der Bewunderung, buhlt um Erstaunen.

Aus den Gemüthern hinaus flüchtet sich Roms Majestät

Jetzo in Forum und Circus, Theater und Hall′ und Triumphthor,

Jegliches edle Gebild griechischer Architectur.

Zwischen die Säulen und Giebel nun drängen sich marmorne Wunder,

Athmender Statuen Volk dienet, gefangen geführt.

Denn es versammelt die einzige Stadt was Länder geziert hat:

Was, anmuthigen Hauch leihend, der Grieche geformt,

Was, tiefdenkend und ernst, der Aegyptier; wachend am Tempel

Liegt der basaltene Löw′ und der granitene Sphinx.

Aus äthiopischem Steinbruch einst von Sesostris entboken,

Weit von Syene herab, lernte der Sonn′ Obelisk

Ueber die See hinfluten, den Nil für den Tiber vertauschen,

Mit nachahmendem Strahl grüßen ein fremdes Gestirn.

Heute noch spricht er umsonst in verborgenen Hieroglyphen,

Aber er macht auch kund, wer zu vernehmen es weiß,

Vom Umschwunge der Zeit, urweltlichen Menschengedanken,

Herrlicher Reich′ Einsturz, und der Lebendigen Nichts.

Doch dieß Nichts schwellt an zum Giganten die rasende Willkür.

Was wohl bliebe zurück, nicht von Despoten versucht?

Jene, die Rom brandmarkten mit allbeistimmender Knechtschaft,

Haben den Abgrund ganz, lüsterner Frevel, enthüllt.

Weihrauch dampften Altäre der Brut unholder Dämonen,

Bis sie der Schmach hinwarf plötzlich entgötternder Mord.

Freilich, es wetzt unmenschlich das Volk an den eigenen Sitten

Selbst den tyrannischen Dolch, welcher im Innern ihm wühlt.

Tage, ja Wochen verbringt′s im umkreißenden Amphitheater,

Stufen hinauf, zahllos, seht! an die Wolken geschaart;

Ueber dem Haupt hin wallet des Vorhangs duftender Purpur,

Daß nur den Weichlingen nicht schade der sonnige Strahl.

Ihnen zu Füßen indeß, bluttrunkener Augen Ergötzen,

Tobt Wehklagen und Wuth, und der bejubelte Tod.

Zum Schauspieler erniedriget kämpft unwillig der Thiere

König, und, minder geschätzt, wider den Sclaven der Sclav.

Africa hat sich erschöpft an Geburten der glühenden Wildniß,

Tiger und Luchs und Hyän′; auch der Koloss Elephant

Flehet, verrathen und wund, Mitleid durch Jammergeberde,

Der sonst offen im Feld römische Heere bestürmt.

Grausamer Spott! es erkennet die Meng′ in dem Bilde sich selbst nicht.

Nicht für die Freiheit mehr, noch der Verbündeten Schutz,

Noch Grabmale der Väter geführt, willfahrend des Herrn Wink,

Ward der entwürdigte Krieg gladiatorischer Scherz.

Wie wohl Schulen der Fechter, zur Wette von streitenden Meistern

Gegen einander gestellt, schlägt Legion Legion.

Ob sie das Reich ausbieten, die prätorianischen Banden,

Nur um der Knechtschaft Tausch fließt das verhandelte Blut.

Jene, die sonst ruhmvoller der Wüst′ Einwohner bekämpften,

Fern an der Gränze der Welt, rauhes Barbarengeschlecht,

Gleichwie der Jäger das Wild aufstört in dem Lager der Bergschluft:

Jetzt mißtraun sie dem Muth hinter verschanzendem Wall.

Parthischer Köcher Geschoß, zwiefach von den Rossen beflügelt,

Scheuchet sie oft vor sich her, nicht in erdichteter Flucht.

Aber den sandigen Spuren des Hufs folgt hungrig der Schakal,

Heult in der Nacht froh auf, witternd den Leichengeruch.

Den sie so lange gereizet, der Ur der hercynischen Forsten,

Oft auch Stöße gefühlt seines gewaltigen Horns,

Er bricht endlich hervor, reißt hin durch jegliches Stellnetz,

Und will selber den Feind suchen in dessen Gebiet.

Nicht halb zahm und dem Siege bequem, wie die Thiere des Circus,

Wild wie der Heimath Wald heischt er entscheidenden Kampf.

Ueber die Alpen herab schon wälzen sich neue Teutonen,

Doch kein Marius naht! Aber ein bleiches Gespenst

Schwebt in des Heers Nachtrab, winkt hin zu den nordischen Haiden -

Varus, er ist′s! - wo er einst diese Verderber erprobt.

Rom soll fallen, so ward′s in der Himmlischen Rathe beschlossen,

Und vollziehn ihr Gericht soll das germanische Schwert.

Attila schreckte von fern, doch würdigt′ er nicht zu erobern:

Deutsche begehrt′ er in Bund, Römern gebot er Tribut.

Aber es schickt Carthago vandalische Flotten dem Tiber;

So weit hat sich des Glücks rollende Nabe gewandt.

Was schon Scipio dort, anschauend die eigne Verwüstung,

Als in der Nacht, graunvoll, krachte der Flamme Ruin.

Und in den Wolken des Dampfs aufstieg Frohlocken und Wehruf,

Aus dem heroischen Lied ahnenden Sinns prophezeit:

"Einst wird kommen der Tag, da das heilige Ilion hinsinkt,

Priamos auch, und des speerschwingenden Priamos Volk;"

Jetzo geschieht′s: kaum hebet ihr Haupt aus den rauchenden Trümmern,

Schmucklos, bang′ und betäubt, ach! die Monarchin der Welt.

Roma, der Pallas Gespielin, ihr ähnlich am Schild und der Lanze,

Leichter gegürteten Gangs nach Amazonengebrauch.

Die sonst Jupiters Winke gesandt von dem wallenden Helmbusch,

Sitzt stilltraurend, und lehnt über zerbrochnen Trophä′n.

Nach viel grausenden Nächten, als alles verheert und geraubt war,

Alles entvölkert, zuletzt kam die verlaßene Ruh.

Leise beseufzend umhaucht sie die halb noch verödeten Hügel,

Welche, wie Gräbern geziemt, Tellus mit Rasen gedeckt.

Friedlicher mögen sie nun hinsinken, die letzten Ruinen,

Längst zu verschwistertem Schutt neiget sich Säul′ und Gebälk.

Sieh, hier lenkte herauf sich die heilige Straße: wie oftmals

Her vom capenischen Thor trug sie den Pomp des Triumphs,

Feldherr, Krieger und Volk, und gefeßelter Könige Fußtritt,

Oft vor dem Festruf scheu schneeiger Rosse Gespann,

Bis die geweiheten Ehren des Siegs, der Gelübde Bewährung

Unter dem Golddach barg Jupiter Capitolin!

Jetzt ein versäumter und einsamer Pfad, wo träge das Saumthier,

Ländliche Waare zur Stadt schaffend, den Treiber ernährt.

Sieh das Palatium drüben, das alle Paläste benannt hat,

Wo, weil Einer nur galt, wachsend des Einzigen Haus

Romulus Rom einnahm, und die alten Penaten hinaustrieb,

Und dem bethörten Gelüst Nero′s zu enge doch schien.

Kann′s dein Auge noch blenden, ein epheuumranktes Gemäuer,

Mit Weinreben umkränzt, Stauden und Gartengewächs?

Ueber dem Badegemach nun spielen der Winzerin Kinder,

Und das Gewölbe bewahrt häusliches Ackergeräth.

"Weidet," so rief aus begeisterter Brust die Sibylle von Cumä,

Als glorreichen Beruf sie dem Dardanier sang:

"Weil es vergönnt ist, weidet ihr Stiere, das Gras von den sieben

Höh′n! denn bald soll hier stehen die herrlichste Stadt."

Nun ist′s wieder vergönnt: Jahrhunderte brachten im Kreißlauf

Stets umwandelnd, den Stand frühester Zeiten zurück.

Dorthin lagert die Mittagsruh in dem niedern Velabrum

Heerden, im Forum sogar tönet das Rindergebrüll.

Schau an dem grasigen Hügel die weidenden! wie sie des Cacus

Höhle sich sorglos nahn unter dem Hang Aventins!

Am hochstämmigen Bau und den speergleichragenden Hörnern

Scheinet der Landschaft Vieh noch geryonische Zucht.

Und es beschämet der Menschen Geblüt. Sind dieß die Quiriten?

Jeglicher Kriegsarbeit fremd, und dem übenden Roß,

Wie sein selber zu spotten hinunter gezogen ins Marsfeld

Drängt sich in engem Verkehr bleiches und ärmliches Volk.

Was auch möge geschehn, ein geduldig erwartender Haufe;

Bettler der Vorzeit stets, Bettler des Tages zugleich.

Tränkte Agrippa sie nicht mit dem Thau jungfräulicher Quelle,

Auf Schwibbogen heran luftige Wege geführt,

Möchten sie wohl hinschmachten im Durst des versengenden Hundsterns,

Oder sie schöpften ihr Naß lau in umsumpfendem Schilf.

Sind Bruchstücke der alten die Zier der erneuerten Tempel,

Sehn Graburnen, erstaunt, sich wie Altäre verehrt;

Borgtet ihr porphyrne Sänlen genug und von punischem Marmor:

Borgt von den Ahnherrn auch hohe Gesinnung einmal!

Aber umsonst. So sah ich verdorrt apenninische Eichen,

Welchen sich Epheu rings, Bacchus geselliges Laub,

Schlang um die Aeste zu lockigem Schmuck; wohl lügt es die Krone,

Doch nie dringet die Kraft mehr von der Wurzel in′s Haupt.

So auch spielt die Natur hier gern in gefälligen Gaben,

Während zu männlicher That Ernst dem Gemüthe gebricht.

Einzig die Bildnerin Kunst wetteiferte noch mit der Vorwelt,

Als, in dem Schooße der Nacht langem Vergeßen geweiht,

Jene hellenische Huldin erstand; an erhabnen Gebilden

Wies sich ergiebig der Geist, nicht ja der Boden allein.

Raphael dichtete liebend, prophetisch ersann Bonarotti,

Wägte des Pantheons Dom stolz in den Aether hinauf.

Aber sie auch schwand hin, die erheiternde Blüthe. "Gewesen"

Ist Roms Wahlspruch; nennt, welches Bestreben ihr wollt,

Gähnend entschleichet die Zeit, als hätte sie nichts zu erwarten.

Stets dreht Ocnus am Seil, stets von dem Esel zernagt.

Janus erscheint hier selber, der Gott der Beginne, verstümmelt:

Sein vorschauend Gesicht löschte der Jugendlichkeit

Hoffnungen aus, formlos, unkenntlicher Züge; die andre

Rückwärts schauende Stirn furchet unendlicher Gram.

Welches Gefieder noch brächt′ Augurien? welche Sibylle

Deutete Zukunft wohl solchem versunkenen Sein?

Altert die Welt? und indeß wir Spätlinge träumen, entlöst sich

Ihr hinfälliger Bau schon in lethäisches Graus?

Mit gleichmüthigem Sinne der Dinge Beschluß zu erwarten,

Kein unwürdiger Ort wäre die ewige Stadt.

 

Also sang ich am Fuße von Cestius Denkpyramide,

Weil allmählich ihr Schatt′ unter den Gräbern verschwomm.

Dämmrung entfaltete rings den gefildeinhüllenben Mantel.

Um den Betrachtenden schwieg tiefere Feierlichkeit:

Fernher flüsterten nur wehmüthige dunkle Cypressen,

Und mitfühlend, so schien′s, wankte der Pinie Haupt.

Stumm war alles Gewühl und Getös′ unruhiges Treibens,

Leisesten Pulsschlag kaum spürte die ganze Natur,

Und fast schauerte mir, ob nicht den Lebendigen fremd ich

Ohn′ eindrückende Spur wandelt′ im Schattengebiet.

Schwermuthsvoller Moment, wann, sinkend, des Tages Monarchin

Sammt dem beseelenden Licht Formen und Farben entrückt;

Alles, gedämpft und erblaßt, mahnt unser entschwindendes Dasein,

Und kein Hoffen erhebt über den irdischen Staub.

Noch nicht funkeln die Sterne, und gleichsam zwischen das Leben

Dränget ein Stillstand sich, und die Unsterblichkeit, ein.

Doch, wie die heilige Nacht mit verheißenden Augen herabschaut,

Ahnet der strebende Geist freudige Wiedergeburt.

Tröstend begegnete so dein Blick mir, edle Gefährtin,

Jener entzückende Strahl göttlichen Doppelgestirns.

Wahrheit wohnet in ihm, und die liebende hohe Begeistrung,

Welche, zur Wonne dem Schmerz, selber in Thränen erglänzt.

Wem du botest der Freundschaft Hand, kann nimmer verzweifeln,

Wann ungläubiger Hohn macht zum Fantom das Gefühl.

Zartheit hegend in tiefem Gemüth, bei′m Guten das Schöne,

Kennst du der Huld Anhauch gleich wie der Größe Gewalt.

Mit vielfarbigem Zauber umgiebst du den Dichter: es hemmt nicht,

Was Nationen entfernt, deinen geflügelten Geist.

Laß denn lauschen mich dir, Mittheilerin großer Gedanken,

Wann das beredte Gespräch siegenden Lippen entströmt!

Viel von erhabenen Männern der Vorwelt wollen wir reden,

Von Mitlebenden auch, oder den Opfern der Zeit.

Und wann unter den Weisen, die rein für das Ganze gestrebet,

Wir aufsuchen ein Bild mildester Väterlichkeit,

Streng′ in der eigenen Brust, langmüthig dem Wahn und dem Undank,

Gleichwie ein Schutzgeist schwebt über dem Menschengeschlecht:

Dann sei dessen Gedächtniß geheiliget, welchen zu kennen

Nicht mir gegönnt war, ach! welchen du ewig beweinst.



(* 08.09.1767, † 12.05.1845)




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