Erst brachte seinem Schiller Goethe

Das derb materiell Concrete:

Das sollt′ ihm stärken Leib und Seele;

Doch würgt′ es hart ihn in der Kehle,

Was Niemand leichtlich wohl vermeidet,

Wenn er die Krebs′ in Viertel schneidet.

 

Dann brachte Schiller das Abstracte,

Auch das Verzwickte, das Vertrakte.

Da schnitt nun Goethe viel Grimassen:

Doch wußt′ er sich ein Herz zu faßen.

Konnt′ es dem Gaumen nicht behagen,

Verdaut′ er′s doch mit tapferm Magen.

 

So lebten sie, in solchem Handel,

Friedlich beisammen ohne Wandel:

Nie sah man zu der Welt Gedeihen

Sich edle Geister so casteien.

Laß, Publicum, dich′s nicht verdrießen!

Du mußt die Qual nun mitgenießen.

 


Das Gedicht "Gegenseitige Bewirthung" stammt von   (1767 - 1845).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte