Ward Kraft und Genius dir angeboren,

Und modelst doch an dir mit feiger Qual?

Aus deinem Innern nimm dein Ideal,

Sonst geht dein Selbst an einen Traum verloren.

Den Geist des Dichters adelt die Natur.

Bist du′s, so hemme nichts, was in dir wogt und lodert;

Stell′s dar, und wandle kühn auch außer Bahn und Spur.

Doch wenn die Kunst Vollendung fodert,

So gieb sie auf: die ziemt den Göttern nur.

Natur ist Eins und Alles. Du erkennest

Die Himmlische nur träumend; darum wähnt

Dein grübelnder Verstand, daß du ihr Werk verschönt

Im Werke deines Hirnes spiegeln könnest.

Durchforsch′ in stiller Einfalt dieses All;

Durchforsche, meistre nicht, und faß in deinen Busen

Der Dinge reines Bild. Die göttlichste der Musen

Ist Wahrheit: ohne sie ist dein Gedicht nur Schall.

Die Rede gab uns eine weise Güte

Zum Band der Liebe; Mittheilung im Schmerz,

Und Mittheilung in Freude heischt das Herz,

Und holde Poesie ist Duft der Red′ und Blüthe.

Wer tiefes, eignes Leben in sich trägt,

Der athm′ es aus, und frage keinen Richter,

Und wiße dann, er sei′s, nicht der sei Dichter,

Des weiser Kopf Gefühle mißt und wägt.


Das Gedicht "An einen Kunstrichter" stammt von   (1767 - 1845).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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